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Wer hier nicht weiter lesen möchte, kann sich auch nur die Bilder (219) ansehen. Die passende Hintergrundmusik wäre wohl T.I. - Whatever You Like, Lady GaGa Feat Akon & Kardinal Offishall - Just Dance oder natürlich Pink! - So What. Viel Spass!
eine Woche vor AbflugNachdem ich 1997 die Westküste der USA besucht hatte, war mir klar, irgendwann auch eine Reise an der Ostküste zu unternehmen. Ich war schon damals von Dieters Reisebericht aus 1993 begeistert, doch blieb es lange ein Traum. 2004 erhielt ich durch Wanda bzw. ihre Eltern eine Einladung, bei ihnen zu wohnen, wenn ich die Ostküste bereisen würde. So schob ich jenen Ausflug Jahr um Jahr vor mir her.
Anders Familie Philipp. Seit Ende 2007 hatten sie ihre Reise gut geplant und Anfang 2008 die Tickets gebucht. Ende Oktober stand der Urlaub direkt bevor und sie erzählten Einzelheiten. Sie wollten zu dritt reisen. Das ist ja Quatsch, ein normales Motelzimmer hat zwei Doppelbetten, also für vier Personen Platz. Welche Platzverschwendung! Man muss ohnehin das ganze Zimmer bezahlen. Also fragte ich Anfang November einfach, ob ich mitkommen könnte. Zu meiner Verwunderung sagten sie zu! Ich wartete noch eine Woche, ob ein potentieller Arbeitgeber auf mein Bewerbungsschreiben antworten würde - dann buchte ich eine Woche vor Abflug meine Flüge. Nur der Flug von JFK nach Miami war ausgebucht, ansonsten erhielten wir die gleichen Flieger und ich hatte nur 100 Euro Mehrkosten als Spätbucher. Auf geht's!!
2008/11/14Eigentlich braucht man keinen Schlaf. Also kann man des Nachts noch mal einen Film ansehen - in dem natürlich niemand raucht! Die angesprochene "moralische Flexibilität" sollte uns Denkanregungen für zukünftig anstehende Verhandlungen mit den deutschen Zollbehörden liefern. Morgens werden dann schnell (und hektisch) die letzten Koffer gepackt. Nach dem Frühstück bei Philipps schaffen wir es tatsächlich pünktlich zu 10:00 Uhr zum Flughafen. Abflug nach New York erfolgt 11:50, in neun Stunden legen wir 6650 Kilometer zurück und sehen drei Filme: Mamma Mia, Reise zum Mittelpunkt der Erde und Get Smart. Wegen Gegenwind von 100 km/h erreichen wir nur 758 km/h ground speed, landen aber dennoch pünktlich 14:55 (20:55 Berliner Zeit). Die Einreise erfolgt recht problemlos, man muss aber seine Fingerabdrücke hinterlassen und in die Webcam lächeln. Die Brotbackmischung und der Pumpernickel machen keine Probleme bei der Einfuhr.
Da ich zu spät gebucht habe, werde ich über Atlanta nach Miami fliegen und voraussichtlich eine halbe Stunde später ankommen. Doch der Abflug verspätet sich um zwei Stunden, dank Gegenwind erreichen wir nur 680 km/h. Zur Abflugzeit des Anschlussfluges lande ich endlich, nix mit 2h Aufenthalt. Der Weg über den größten Flughafen der Welt ist auch nicht gerade kurz, um das richtige der 176 Gates zu finden. So bin ich erst Mitternacht in Miami. Zum Glück ist der andere Flieger von New York abgeflogen, zusammen mit Ernesto erwarten sie mich an der Gepäckausgabe. Was aber zwecklos ist, meine Tasche ist nicht da. Also vergeht eine weitere halbe Stunde, um bei Delta die Verlustmeldung aufzugeben. Dafür entschädigt ein Schritt vor die Tür - wie gegen eine Wand. Es sind über 20 °C Lufttemperatur! Juhuuu! Urlaub wir kommen!
2008/11/15Schon der Eintritt in die Wohnung beeindruckt: Es ist nicht der 6 Meter hohe Raum, der große Kühlschrank in der direkt an den Wohnraum angeschlossenen Küche - es ist der 50 (!) Zoll Panasonic Fernseher an der Wand! Sound natürlich in 5.1 von Bose. So lebt man also in Amerika!! Und dann ist Familie Gonzalez einfach zu nett zu uns: die beiden Töchter werden aus ihren Zimmern geschmissen und übernachten bei ihren Eltern (bzw. Wohnzimmer), damit Alex und ich in Sabrinas Zimmer übernachten können, unser Ehepaar nächtigt fortan in Amandas Zimmer. Noch sind wir etwas unvorbereitet, haben nicht mal einen Mietwagen. Ergo fahren sie uns durch die Gegend. Die 2 Minuten Fußweg zum Pool meistern wir aber allein. Nur haben wir davon kein Foto! Aber wir haben die genaue Adresse. Nachts kann man den Sternenhimmel bewundern. Romantisch!
Ich habe ja noch immer nix zum anziehen. Also fahren wir am nachmittag erst mal zu den Sawgrass Mills. Mangels Auto zwängen wir uns zu siebent in den BMW 325i - nicht ohne dabei den Sheriff zu grüßen! Wir vereinbaren 3 Stunden im Mall, doch schaffen es nur 30 Meter bis TJ MAXX. Nicht mal im Nike Outlet Store waren wir. Aber wir kommen wieder! Hier wird offensichtlich, dass man auch eine Ader für Dinge hat, die man nicht kaufen kann. In den Gängen des Einkaufstempels gibt es unter anderem Stände mit verschiedenen europäischen Spezialitäten - eben jenen Dingen, die es nur in Russland, Spanien, Italien oder Deutschland gibt. Wie kann man jene Generation noch überraschen? Abends haben wir in der Küche den Wachtturm vorbereitet. Sonst wäre es wohl komplett unmöglich, dem Stoff in der spanischen Versammlung zu folgen. Gemeinsam gab es dann Chicken und ein Corona.
2008/11/16 - SonntagIch darf ausschlafen, Iris leider nicht. Um 5:00 Uhr früh weckt sie ein Kurierfahrer, er kann die Adresse wohl nicht finden. Kurz darauf liefert er meine Tasche ab. Dann kann ich doch mit Krawatte in die Versammlung gehen.
Wir kommen sogar rechtzeitig los, die Versammlung beginnt 9:30 Uhr. Wie gesagt: el Jardin (der Garten) in Boca Raton, Florida ist eine spanische Versammlung. So kann man vielleicht 20 Wörter des Vortrages verstehen. Iris übersetzt die spanischen Bibelstellen im Vortrag ins englische, damit wir sie in der deutschen Bibel mitverfolgen können. Das Wachtturmstudium ist viel besser, es lassen sich ja die Absätze und einige Namen verfolgen. Auch wenn aus Jakobus bzw. James ein Santiago wird. Nadine gibt eine Antwort auf englisch, die ins spanische übersetzt wird.
Hinterher kolumbianisch Essen gewesen (hab ich nicht vertragen, wie sich am nächsten Tag zeigt), zum Pool, den Diamantencop auf dem riesigen TFT-Fernseher gesehen, abends Basketball mit Brüdern - auf beleuchtetem Platz für lau! Daher sieht man hier auch nirgends Grafiti. Obwohl man sich wohl doch Sorgen um seine Kinder macht, man denke an so manche 'Werbung' im Radio, die auf die Aufgaben von Eltern hinweisen. (Check this out: power96.com)
2008/11/17Gestern hatten wir schnell über das Internet einen Mietwagen gebucht. Die Bestätigung hatten wir noch schnell erhalten, Ernesto war auf dem Weg zum Flughafen Miami, eine Woche Geschäftsreise nach El Salvador. Vorher musste er noch in die Firma - und uns bei der Autovermietung um 8:00 Uhr absetzen. Doch es hat alles geklappt. Wir nahmen den kleinsten Wagen mit 4 Türen. Der volle Tank war im Preis mit inbegriffen. Unser Pontiac G6 V6 hatte nur 2500 Meilen herunter - war also fast neu! Und der 3,5-Liter V6 leistet 225 PS, natürlich mit Automatik, Tempomat, Zentralverriegelung mit Fernbedienung auch für den Kofferraum, Lichtsensor und -automatik, Reifendrucksensoren, CD-Wechsler und guter Soundanlage, deutsche Benutzerführung, elektronische Anzeigen (umstellbar von metrisch auf US), Alu's, ASR, Schiebedach usw... So macht das Fahren Spass!! Trotzdem sollte unser Durchschnittsverbrauch bei 9 l/100km (also 30 mpg) liegen :-)
Ernesto erklärt uns ein wenig das Steuersystem für Autos hier in Florida. Man zahlt für das Nummernschild bzw. die Zulassung des Autos ca. 60 $ im Jahr. Egal, wieviel PS es hat oder wieviel Hubraum. So kann unser Auto also einen nicht so hochgezüchteten, langlebigen Motor mit viel Hubraum haben, es kosten ja doch nicht mehr. Das weniger High-Tech könnte sogar preiswerter sein als eine entsprechende 2-Liter-Maschine. Und bei umgerechnet 50 Eurocent pro Liter macht man sich über das Benzin auch keine Gedanken mehr.
Etwas passt hier allerdings nicht. Es sind sommerliche Temperaturen, nur selten sieht man eine Wolke am Himmel. Doch im Radio beginnen die ersten Sender mit Weihnachtsliedern (woher kennt Matthias nur so viele?). An der Straße finden sich die ersten Dekorationen - bei 28 °C Lufttemperatur!! Und es werden Weihnachtsbäume verkauft:
Iris hat uns ein Navi geliehen - sehr hilfreich, viel entspannteres Fahren. Auch wenn wir dem Navi nicht immer glauben. Wir fahren also zu den Everglades. Leider ist Matthias schlecht, so muss Marcel das Steuer für eine Weile übernehmen. Unterwegs 'löst' sich das Problem allerdings. So gelangen wir abends zur Familie Copper in Coppertown.
Der Dude unten prägt den entscheidenden Satz "Ain't it cool, hughh?" - ein running gag des ganzen Urlaubs. Seine Ray-Charles-Brille ist so cool, Alex holt sich eine ebensolche. Sogar Horatio aus CSI: Miami fährt mit dieser Gesellschaft. Das ist im Intro zu sehen. Die Coppertown-Familie hat das älteste Angebot. Eigentlich sind diese Boote verboten, um den Nationalpark der Everglades zu schützen, aber 3 Firmen bestanden vor dem Verbot und genießen Bestandsschutz.
Am Ende der Tour haben wir einige Alligatoren gesehen und der Sonnenuntergang naht. Das taucht die Everglades in eine herrliche Stimmung.
Bald kennen wir alle 10 Lieder auswendig, die hier im Radio am laufenden Band gespielt werden: Pink mit "So what - I'm still a Rockstar!", T.I. mit 'Whatever You Like', Beyonce mit 'If I Were A Boy', Akon mit 'Na Na Na', Ne-Yo mit 'Miss Independent', Jason Mraz mit 'Im Yours', Ti Ft Rihanna mit 'Live Your Life', Lady Gaga ft. Kardinal Offishall mit 'Just Dance' und Katy Perry 'Hot N Cold' sowie natürlich Britney Spears mit "Womanizer". Auf der Fahrt zum nächtlichen Miami werden sie wieder mal wiederholt. Einen kleinen Bummel machen wir durch Bayfront in Miami und entdecken auch ein Hooters. Obwohl ja niemand wegen dem Essen dorthin geht. Wir wollen das WLAN nutzen, um zu sehen, ob unsere Tickets für Universal Studios per ebay zu buchen sind. Das Essen ist wirklich nicht so toll.
Immerhin haben wir uns etwas besser kennengelernt. Alex und Matthias haben sich als 'Klugscheißer' bestens ergänzt. Der dritte Mitfahrer hieß fortan $crooge McPhilipp. Und Nadine leidet wohl an ADHS für Erwachsene.
Nachtrag: Die Zuordnung nach Entenhausen wurde im Nachgang nochmals geändert. An der Seite von Scrooge waren vielmehr Klaas Klever (alias John D. Rockerduck) sowie Mac Moneysac (alias Glintheart Glomgold), die jeweils zweitreichsten Männer der Welt. Unser Pausenclown findet sich in Daisy zweifellos in ihrer Liebe für rosa und pink wieder ;-)
2008/11/18Das Navi will uns immer wieder von der Interstate 95 abfahren lassen. Aber wir lassen uns doch nicht von einer elektronischen Frauenstimme sagen, was wir zu tun haben - so fanden wir den direkten Weg!! Links des Highways finden sich die "Berge Floridas". Hier gibt es aber keine natürlichen Berge. Jene künstlichen Berge sind schon von fern an den vielen Aasgeiern und Krähen zu erkennen, die über ihnen kreisen. Es sind reine Müllberge :-(
Ergo wurde Cape Canaveral besichtigt. Es gibt eine IMAX 3D-Show zur Mondlandung, produziert von Tom Hanks. Es wird auch explizit auf die Verschwörungstheorien eingegangen, die besagen, die Mondlandung sei ein in Hollywood gedrehter Fake. Warum dem nicht so ist? Na ganz einfach: Es gibt immer Zweifler, die meinen, man schafft es nicht. Und die es selbst nicht drauf haben. Aber die NASA, the Americans, they just did it. So what?
Abends schnell unser erstes Motel gesucht: Scottish Inn in St. Augustine. Naja, es geht. 55 Dollar plus Tax enden bei 59,38$ pro Nacht, also 15 $ p.p.. Abendessen bei Steak 'n' Shake - davon wurde Alex schlecht. Wir haben es die ganze Nacht gehört :-)
2008/11/19Morgens ist es wieder ein herrlich sonniger Tag. Der Baum auf dem Parkplatz des Scottish Inn soll über 400 Jahre alt sein. Zumindest auf dem Bild sieht das Zimmer gut aus, auch Alex geht es schon etwas besser.
Allerdings gehen wir doch noch ohne Alex zu DQ (Dairy Queen) frühstücken, wo natürlich wieder ein gepimptes Auto vorbeifährt. Da St. Augustin eine der ältesten Städte Floridas ist, gibt es auch Touristentouren mit kleiner Auto-Eisenbahn und ein altes Fort, das man besichtigen kann.
Natürlich hat eine so alte Küstenstadt auch einen alten Leuchtturm. Eintritt allerdings gepfefferte 9 Dollar. Wir betreten das Grundstück unwissend von hinten und erfahren erst am Eingang vom Preis. So nehmen wir nur ein paar Photos mit.
Converse: nicht ganz so preiswert wie gedacht, aber dennoch chucks für Marcel und Matthias (und natürlich Nadine :-) Schlecht hingegen: Auch im Nike Outlet Store sind keine preiswerten Nike Air für Marcel da :-( Bleibt noch eine interessante Bemerkung: Die Ausbeutung von Niedriglohnländern in Afrika kann man auch als 'Unterstützung' werbetechnisch vermarkten:
Zwischenzeitlich haben wir die amerikanische Lebensweise zum Teil aufgesogen: Wir laufen nirgends hin, sondern fahren hin (von GAP zu GUESS etc.). Der laufende Motor wird nicht etwa abgestellt, um die Umwelt zu schonen. Nur der Fernstart des Motors (zum Warmlaufenlassen) funktioniert irgendwie nicht. Ist in Deutschland wohl verboten.
Nach einem anstrengendne Shopping-Tag steht also noch eine nächtliche stundenlange Autofahrt an. Ergo stärken wir uns vorher im Outback Steak House. Hier ist es jedoch sehr voll, statt Anstehen erhält man einen Buzzer, der nach 20 Minuten anfängt rumzublinken. Das kleine Bier kostet 5 Dollar und ist wohl deshalb in der Speisekarte ohne Preis aufgeführt. Doch die Steaks sind lecker. In jedem Fall kommen wir um 0:20 Uhr im Budget Inn an, die Rezeption hat tatsächlch noch auf. Kaum auf unserem Zimmer, stellen wir die Klimaanlage auf warm. Schon riecht es verschmort und der Feueralarm geht lautstark los! Die Dame der Rezeption: "Das ist normal, einfach auf den Knopf drücken, dann geht sie wieder aus." Nach 5 Minuten geht das tatsächlich. Nadine macht noch ein Bild von der undichten Tür. Ich lege mir abends noch schnell eine Zweiidentität zu, um unser neues Handy zu registrieren. Für das Handy bin ich Alicia Silverstone aus Delray Beach in Florida. Ich habe sogar eine email-Adresse bei gmx.net - aber die wird ja nächstes Jahr wegen Nichtbenutzen gelöscht.
2008/11/20Bis zum Morgen sind wir im Budget Inn doch nicht abgebrannt. Den Pool des Motels nutzen wir aber nicht, sondern fahren erst mal zu Jimmy Jones frühstücken. Danach geht es Richtung Strand.
Am Strand des Golfes vom Mexiko - viele Muscheln, weisser Sand, Pelikane usw.
Rückfahrt Richtung Delray Beach, unterwegs in Starbucks Cafe Buchstudium "Lebe mit dem Tag Jehovas vor Augen" durchgeführt. Sie haben sogar die Musik etwas für uns gedimmt. Dafür gibt es in Amerika keinen 'Latte Macciato'. Dieser Starbucks hatte wenigstens ein Glas, um ihn dennoch anzubieten.
Nachts über einsame Landstraße mit 60 Meilen je Stunde. Quads auf dem Anhänger getroffen - und einen Rolls Royce. Trotz doppelter gelber Mittellinie überholt uns ein Raser - 20 Minuten später hat ihn der Sherrif. An einer Schranke mussten wir auf den Zug warten.
2008/11/21Und wieder geht es los: ROSS Dress for Less, Burlington, Vanitiy Fair (Levis, Lee, Jansport, usw.), JCPenny, Nike, Footlocker, ... Es ist definitiv der Tag des 'Coolseins'. Das fängt schon mit der Rockerlady auf ihrem Monstertrike an. Ich durfte mein Äußeres ebenfalls pimpen. Und in Amerika gibt es sogar Volltrottel-Bier (full throttle). Das kann eigentlich nur noch eine Tour mit Tigga toppen:
Nur Marcel ist unglücklich, hat er doch immer noch keine Nike Air :-(
2008/11/22Ich beginne mal ganz unspektakulär mit einer Dokumentation des Gruppenzwanges, dem wohl alle hier erliegen. Wir haben bis heute keinen Smart gesehen. Dodge Ram 3500? Gähn. Einem Hummer H3 oder Porsche oder Ford Mustang schauen wir schon gar nicht mehr hinterher. Ein Lamborghini Gallardo Spyder oder Audi R8? Steht hier am Straßenrand:
Zwar sind wir etwas später losgekommen, aber haben dann doch den ganzen Tag in Miami verbracht. Zunächst sind wir den Ocean Drive an all den Art Deco-Häusern vorbeigefahren.
Danach ging es erst mal zum Strand. Einige Ozeanriesen verlassen den Hafen Miami für eine Kreuzfahrt. Bis zum Sonnenuntergang sind wir dort geblieben. An den Ampeln zeigt eine rote Digitalanzeige, wieviel Sekunden dem Fußgänger noch bis grün verbleiben.
Des Nachts war die Motorradgang schon weggezogen, dafür erwachte das Nachtleben. Wir waren lieber vernünftig. Auf dem Rückweg haben wir an einer Ampel einen Aston Martin V8 Vantage(oder war's ein DB9, V12 Vanquish oder Maserati Quattroporte V gar?) versägt. Es hatte einige Ampeln gedauert, neben ihm an einer roten Ampel starten zu können.
2008/11/23Wir sind recht spät aufgestanden und haben beim Frühstücken die Zeit vergessen - daher kamen wir zu spät in die Versammlung. Somit konnte uns Iris nicht mehr mit den Bibelstellen beim Vortrag helfen, denn sie saß in einer anderen Reihe. Dennoch konnten wir dem Vortrag gut folgen, unter anderem wegen der Gesten des Redners und den Bibelstellen. Haben sowohl 1. Mose als auch Offenbarung mitverfolgt. Daher konnte ich fast 5 Prozent des Vortrages über die Schöpfung und den Schöpfer verstehen. (Aber wer weiss schon, dass Jakobus bzw. James ein Santiago ist?)
Nach der Versammlung ging's ins mexikanische Restaurant - dort sorgt man für ausreichend Essen, wir haben nicht alles geschafft. Nachmittags wollten wir den Atlantik in Delray Beach besichtigen. So kamen wir auch an etwas luxuriöseren Häusern vorbei.
Eigentlich ist es wunderschön hier am Strand. Dennoch läßt sich Alex hier überraschen: Sogar beim Anblick der Meeresbrandung gelingt es Matthias klugzuscheißern. Immerhin wird hier das Dispersionsverhalten von flachem Wasser im Gegensatz zur dispersionsfreien Ausbreitung von Wellen im Tiefwasser besonders deutlich - findet ihr nicht auch? Na gut, lassen wir das.
Das Wasser war zwar salzig, aber die Wellen beeindruckten. Das haut einem glatt die Beine weg. Abends machte Sabi noch Pancakes und wir zischten ein Corona.
2008/11/24 - MontagEin wichtiges "MUST SEE" auf unserer Liste waren die Universal Studios in Orlando. Den Park in LA kannte ich ja bereits. Hier ist noch Island of Adventures angeschlossen, eine Art Magic Mountain mit Achterbahnen und Wildwasserabenteuern. Er ist in Nordamerika auf Platz 6 der meistbesuchten Parks (mit 6.2 Mill Nr. 11 weltweit; IoA ist Nr. 9 in Nordamerika). Die Tickets sind nicht gerade preiswert, kosten über 90 Dollar. Doch ebay ist dein Freund, wir haben noch schnell bei einer Auktion mitgemacht. Einige preiswertere Tickets sind nur für US-Bürger, so endete unsere Auktion mit 301 Dollar für 4 Tickets und 2 Parkkarten. Das sind 75 $ oder 62 € pro Person. Sogar PayPal hat funktioniert, ebenso der Versand an unsere Adresse in Florida. Mietwagen pick-up und drop-off konnte ich kostenlos ändern, damit mussten wir um 8:00 am Sheraton in Orlando sein. Somit sind wir schon um 4:00 Uhr in der Frühe aufgestanden. Immerhin waren die Highways schön leer, wir konnten den Sonnenaufgang miterleben.
Den Mietwagen soll man leer zurückgeben. Leider kann man nicht so genau tanken, also haben wir die letzten Meilen bei 4000 min-1 und warmen Reifen zurückgelegt :-) Frisch gewaschen und vollgetankt erhielten wir den gleichen Wagen. Vielleicht hätten wir doch auf Convertible (Cabrio) wechseln sollen, folgen doch 2 Tage Autofahrt nach Key West. Doch davon wissen wir noch nicht, Ernesto kommt erst heute abend heim. Noch ein "all you can eat"-Frühstück auf der Ponderosa Ranch, dann geht es in den Park. Noch kurz das Ticket und den Fingerabdruck gescannt - und los:
Seit Anfang 2008 gibt es neu Disaster! The Ride als Mitmach- und Erlebnistour. Nur bis 13:00 Uhr waren wir in den Universal Studios, dann ging es zu den Achterbahnen in Island of Adventures. Die Taschen kann man 30min kostenlos in ein Schließfach geben. Der Schlüssel dazu? Dein Fingerabdruck, du musst dir nur die Nummer deines Schließfaches merken. Irgenwann hatten wir diesen Trick auch verstanden. Marcel wollte uns unbedingt zu den Wasserrutschen bringen. Diese sind kein Vergleich zum Heidepark Soltau. Hier in Orlando wird man richtig nass. Ich meine, RICHTIG:
Das waren wir nach der ersten "Wassertour". Die drei Philipps waren übrigens echt fies und haben mich auf den vordersten Platz verbannt. Mein Rucksack hat als Wasserschutz nicht sonderlich gut gedient (sieht man ja). Das Handy darin war voll Wasser gelaufen, ich musste erst mal den Akku entfernen. Das meiste Wasser lief gleich mit raus. Beim nächsten Wildwasserrafting wurden wir bis auf die Unterwäsche nass, kein Zentimeter an uns war mehr trocken. Von oben konnten andere Parkbesucher Gebrauch von Wasserkanonen und unterirdischen Wasserbomben machen.
Es folgen noch einige weitere Wasserrutschen, ein Besuch beim "Ganzkörperfön" und Jurassic Park. Auch noch ein Rollercoaster steht auf dem Plan: Feuer und Eis. Eigentlich sind es zwei Achterbahnen, die ineinander verflochten sind und sich an einigen Stellen bedenklich nahe kommen. Man hört die anderen schreien und meint fast, mit ihnen zusammenzurasen oder zumindest mit ausgestreckten Armen anfassen zu können. Den Spass kann man Nadine und Alex direkt ansehen. Doch so langsam wurde uns etwas kalt, wir waren schließlich richtig nass. Abendessen nochmals "all you can eat" bei Chihi Pizza, dann Heimreise und Ankunft 2:00 Uhr morgens.
2008/11/25Ernie ist aus dem Urlaub zurück. Aber Donnerstag ist Thanksgiving, die folgenden beiden Tage hat er in seiner Firma mehr als genug zu tun. Somit fahren wir nicht mit dem Wohnmobil nach Key West, sondern selbst. Auch gibt es keinen Ausflug mit dem Boot oder Jetski. Um 12:30 ist er nicht in der Firma, um den Ferrari zu besichtigen, also verschieben wir das mal auf morgen. Essen wieder mal bei McDonalds in Miami, da Matthias eine Abkürzung kennt und der Doppelcheeseburger nur 1 Dollar kostet (Scrooge läßt grüßen). Man kann dort sogar sein Baby umtauschen oder wechseln (change :-). Das Telefon hatte ich morgens schon mit dem Fön vorgetrocknet, die Lüftung des Pontiac entfernte die restliche Feuchtigkeit. Leider hat das Display etwas abbekommen, aber was solls. Und neben Nasenspray gibt es im Supermarkt auch einfach eine Bibel zu kaufen!
Um 17:00 Uhr sind wir dann endlich auf den Keys, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Eine Stunde später ist es so dunkel, dass mein einen herrlichen Sternenhimmel sehen kann. Fern jeder Zivilisation kann man deutlich die Milchstraße erkennen - sie legt sich quer über den gesammten Himmel. Wir sind jedoch so südlich, dass man zwar Orion leicht finden kann und auch Casiopeia. Der Polarstern ist jedoch schwerer auszumachen und der große Wagen gar nicht zu finden am Horizont.
Um 23:00 Uhr sind wir endlich auf Key West. Auf der Fahrt haben wir Peter Fox rauf und runter gehört. Nachdem wir die Übernachtung in der Blue Lagoon gebucht haben, flanieren wir noch die 'Duval St' um Mitternacht entlang und trinken ein Becks dunkel.
Natürlich sind wir auch an Sloopy Joes Bar vorbeigekommen. Doch Alkohol gibt es erst ab 21 Jahren und der Personalausweis wird genau kontrolliert.
2008/11/26Eigentlich wollten wir uns den Sonnenaufgang an der Ostküste ansehen. Irgend jemand ist auch um 6:00 Uhr aufgestanden, doch irgendwie wurde nix draus. So sind wir erst kurz vor 11:00 Uhr aufgewacht. Nun konnten wir in vollem Sonnenschein die großen Veranden auf Key West besichtigen. Das Hemingway home haben wir wenigstens von außen gesehen, es ist eben ein Haus wie jedes andere: ein paar Wände und ein Dach. Am südlichsten Punkt des USA-Festlandes muss man anstehen, um ein Foto machen zu können. An guten Tagen kann man das 90 Meilen entfernte Kuba sehen.
Zwar waren wir spät dran (unser Navi gab Ankunftszeit 15:30 an, geplant war 16:00 Uhr, damit wir packen konnten und die BBQ-Einladung zu 18:00 Uhr wahrnehmen) aber machen doch einen Ausflug an den Strand. Es gibt zwar keine Muscheln, aber Pelikane am Strand und Unmengen Fische, die einem um die Füße sausen.
Auf den Keys gibt es nur eine Straße, die all die kleinen Inseln verbindet. Manchmal steht rechts noch eine alte Brücke eines stillgelegten Streckenabschnittes. Den kann man in Hollywood dann effektvoll zerlegen (z.B. true lies). Wenn dann aber ein Unfall passiert, staut sich der gesammte Verkehr kilometerweit. Pünktlich irgendwo ankommen wird unmöglich. So auch in unsrem Fall. Wir gehen also in ein Restaurant, um uns gesund von Salat, Fishburger und Lemon-Kuchen zu ernähren. BBQ abends war ohnehin abgesagt, wir kommen erst 20:30 Uhr an. Jetzt noch schnell packen, Mitternacht sind wir fertig. Aber natürlich gehen wir nicht ins Bett. Wir schauen uns erst noch "Hulk" auf DVD an und gehen 2:00AM ins Bett
Übrigens bringt es nichts, sich einen Bart wachsen zu lassen. Zwar bin ich schon jenseits der 30, aber im Supermarkt werde ich wegen einem Kasten Corona dennoch nach einer ID gefragt, um zu sehen, ob ich älter als 21 bin :-))
Die Idee mit dem Elektroroller am Eingang des Supermarktes fanden wir einfach toll!!
2008/11/27Schon um 4:00AM sind wir wieder aufgestanden und um 5:00 AM abgefahren. Die anderen konnten dann im Auto ja weiterschlafen. Mit Glück haben wir Alamo am Flughafen auch noch gefunden. Abflug war eigentlich 8:00 und das haben wir auch noch ganz knapp geschafft. Denn zwei Koffer hatten Übergewicht! Zwar nur 3 Pfund, aber AmericanAirlines berechnet dafür mal eben 50 Dollar! Keine Frage, dass Scrooge eine Lösung fand: ab ins Handgepäck! Unsere Namen wurden auf dem Weg zum Gate mit "letzer Aufruf" schon allen bekanntgemacht!
11:00 AM sind wir in New York JFK, es ist Thanksgiving. Wir hatten einen "upper midsize"-class Mietwagen gebucht. Das wäre ein Crysler CTS oder Mercedes E-Klasse. Wir erhalten hingegen einen Crysler PT Cruiser - das ist nicht mal Mittelklasse, das ist Kompaktklasse!! Verwöhnt durch den V6 ärgert uns diese lahme und kleine Kiste. Das Radio hatten einen grottenschlechten Klang. Nix mit Schiebedach oder Lichtautomatik. Nur Nadine gefällt er - vermutlich wegen der Farbe. Er verbraucht sogar noch mehr als unser Pontiac. Immerhin passen die Koffer ins Auto. Und er hat ja hinten getönte Scheiben sowie einen Kompass im Cockpit. Dank Sonnenblende sehe ich gar nix von der Straße. Auch das Navi vermissen wir im Großstadtdschungel von New York schmerzlich.
Erschreckend ist auch der Straßenzustand von Big Apple: Buckelpisten, schmale Staßen und riesige Löcher! Dazu die Hektik der anderen Autofahrer und dann diese Kälte - ich will zurück nach Florida!! Seit gestern nachmittag haben wir nix gegessen. Also gibt's um 13:30 Uhr auf dem Weg zum Bethel ein Beagle-Frühstück für Abendbrot und Mittag. Na ja. Alex N95 kennt leider keine Columbia Heights - aber diese Straße gibt es wirklich! Wir starten 14:00 Uhr eine Tour, doch sie wird nicht nur 30 Minuten dauern ...
Viele Bilder in unseren Publikationen hängen als Ölgemälde im Original an der Wand. Unten zeigt ein kleines Schild, wann dieses Bild in welcher Zeitschrift bzw. Buch verwendet wurde. Wir sind vorsichtig, um sie nicht mit den Fingern zu berühren - die folgende chemische Reaktion könnte das Bild dauerhaft beschädigen. Mit Glas kann man sie leider nicht schützen. Den Grund erklärt eine Schwester aus Oregon, die selbst malt: Die Ölfarbe muss atmen, das Glas würde das verhindern.
Einen kleinen Einblick in die Hilfe der Computer bei der Verbreitung der biblischen Botschaft findet sich unter anderem in der Geschichte von MEPS. Unten ist einer der ersten MEPS-Computer zu sehen: ein grandioser Grün-Monitor und eine 8-Zoll-Diskette mit wahnsinnigen 160 Kilobyte Fasssungsvermögen. Jedes Handy oder mp3-Player leistet heute mehr. 1979 sollten noch 186 Sprachen unterstützt werden, jetzt sind es über 590 Sprachen. Für fast alle Sprachen mussten die Zeichensätze und Fonts selbst erstellt werden. Seit 2009 gibt es die Watchtower Library in 31 Sprachen und in einer Version für PDA.
Dabei kommen wir auch gleich auf aktuelle Themen: Molding. Wir haben keine Ahnung, aber nach einiger Zeit wird klar, dass es um Stock und Serpula Lacrymans in Gebäuden geht. Das liegt wohl auch an der Schnellbauweise mit two-by-four. Habt ihr eine Ahnung, was das ist? Neither did we. So erfahren wir noch etwas zu der Baumethode Nordamerikas, die seit 350 Jahren Tradition hat. Verwundert erfahren die New Yorker, dass in kurzem der Saal in der Weißenburger Straße nach 13 Monaten Bauzeit fertiggestellt wird.
Später kamen wir auf der Führung an jener Sammlung Schuhsohlen vorbei. Sofort fiel mir der Name Vibram auf - eine Markenfirma für professionelle Gummimischungen unter hochwertigen Schuhen. Warum sind sie gelocht und eine Beschreibungskarte dazu? Es ist der Schuhmacherservice für die 1500 Betheliten, die natürlich sehr viel zu Fuss unterwegs sind und daher ihre Schuhe abtragen. Jehova wirkt ja kein Wunder mehr wie bei den Israeliten bei der 40-jährigen Wüstenwanderung (5.Mose 8:3,4). So haben die Brüder verschiedene Schuhsohlen mit jeweiligen Vor- und Nachteilen zur Auswahl, geben ihre alten Schuhe mit der Bestellkarte ab und erhalten neue Sohlen!
Auch erfahren wir die Vorgeschichte zur Entstehung der Krankenhausverbindungskomitee's. Eigentlich sollte es auf privater Initiative basieren, doch bald wurde klar, dass professionelle Hilfe notwendig ist, um von den Ärzten und Krankenhauspersonal ernst genommen zu werden. So wurden viele hilfreiche Dokumente entwickelt. Eine amerikanische Patientenverfügung können wir nicht erhalten, da aufgrund der Gesetzeslage für jeden Bundesstaat ein eigenes Dokument existiert. Ein weltlicher Anwalt erstellt für seine Klienten Schreiben zur Übergabe an den behandelnden Arzt, damit der Wille des Patienten respektiert und umgesetzt wird. Dafür berechnet er 1600 Dollar! Die Dokumente unserer Brüder sind weit umfangreicher und besser recherchiert, dafür kostenlos - und wir füllen sie nicht einmal aus? Es steckt viel Arbeit darin.
Weitere Infos betreffen das Bauprogramm für Königreichssääle, das 1999 aufgelegt wurde. Unter den 133 unterstützten Ländern sind nicht nur Entwicklungsländer zu finden. Fortschritte hat auch der Druck gemacht. Nicht nur, dass der 4-Farb-Druck sehr ansprechend ist, dank des Internet sind die Druckvorlagen innerhalb einer Stunde weltweit verbreitet. Eine Herausforderung sind auch RTL-Sprachen (Right-To-Left - von rechts nach links). Auf dem letzten Bild kann man 5 Unterschiede finden. Bilder einfach zu spiegeln geht nicht immer. Dann würde Jesus z.B. seinen roten Umhang mal rechts und mal links tragen - ungewöhnlich und schwieriger wiederzuerkennen. Das gleiche trifft auf Uhren zu.
Nach dem Bethel besuchten wir noch Ruth und Peter. Es war schön, mal wieder mit jmd. auf deutsch reden zu können ('you know' :^). Und es gab belegte Brötchen mit Salami in Herzform sowie Bush-Bier.
Es ist Dienstwoche auf Long Island, daher erreichen wir erst 22:30 Uhr Berry und Debby - unsere Gastgeber für die nächste Woche in Oakdale.
2008/11/28Heute ist mal Marcel mit früh aufstehen dran. Um 8:00 Uhr ist er mit Berry bei der Grocery und holt frische Bagels. Wunderbar entspannt genießen wir eine Stunde später das Frühstück. Erst um 11:30 kommen wir los, um nach Patterson zu fahren. So dachte ich, denn es liegt näher, doch durch ein Mißverständnis navigiert uns Nadine nach Wallkill. Unterwegs gelangen wir etwas in einen Stau, die Fahrt dauert über 4 Stunden! Eine Brücke zwischendrin möchte gern 5$ Toll von uns, das enspricht den Benzinkosten für die ganze Fahrt. Aber hier haben alle Brücken Toll.
Kurz nach der Abfahrt Wallkill halten wir kurz, um zur Toilette zu gehen. McDonalds weiss nix vom eigenen freien WLAN, immerhin kann ich mir so die Telefonnummern von Wanda home und Erik aufschreiben. Dann folgen wir der Karte nach Wallkill. Mittendrin liegt Marlboro, alle umliegenden Orte haben was mit töten zu tun: Wallkill, Plattekill und Fishkill! Nach 10 Meilen überqueren wir die 44/55 und sind natürlich schon lange als Wallkill raus, haben aber keine Farm oder Druckerei gefunden. Mich verwundert, dass wir bald in New Paltz sein sollen - hier wird mir bewusst, dass wir uns verfahren haben. Es kann uns aber zum Nutzen sein, dann wohnt ja Wanda hier um die Ecke, vielleicht ist sie zu Hause und kann uns helfen. Doch nur ihr Vater ist da. Obwohl kein Bruder, leitet er uns fehlerfrei den etwas schwierigen Weg zur Farm. Um 16:00 Uhr sind wir tatsächlich da!
Schon gestern hörten wir von 80 Jahren Rückstand - seit so langer Zeit waren die Druckmaschinen in Brooklyn benutzt worden. Seit 2004 gibt es 5 neue MAN Roland Druckmaschinen, davon geht eine nach Deutschland, eine nach Japan und 2 nach Wallkill um für ganz Amerika und mehr Literatur zu drucken. Im übrigen wird spanisch hier nicht mehr als Fremdsprache angesehen, sondern als gleichberechtigt mit englisch. Bereits jetzt sind nur 2/3 der Versammlungen englischsprachig, ein Drittel spricht spanisch. Dennoch ist die Literaturbestellmenge in beiden Sprachen gleich groß!
Eine Neuerung gegenüber Deutschland: alle Bestellungen der Versammlungen erfolgen elektronisch über sichere Webseite. Um Spam und Viren zu filtern, werden die Daten erst 30 Minuten später in die Datenbank eingelesen. Vielleicht sind wir in Deutschland bald auch so schnell. Zudem hat die Gesellschaft keine eigenen Trucks mehr, der Versand der Literatur erfolgt landesweit per UPS. Das ist preiswerter und hilft, Kosten zu sparen. Der Bruder, der die Führung mit uns macht, ist für Fehler in den Bestellungen zuständig. Bei 25000 Versammlungen in Nordamerika kommen doch einige Fehler zusammen. Liegt der Fehler in Wallkill, erfolgt über Nacht eine kostenlose Nachlieferung. Ansonsten können die Versammlungen solche Eilbestellungen auch selbst beauftragen (und bezahlen). Dann habe ich über Nacht eine Studienbibel in Schwedisch, kostet aber ca. 30 Dollar.
Der gesammte Verpackungs- und Versandvorgang ist computerisiert. Alles wird mit Barcodes eingecheckt. So minimieren sich die Fehlermöglichkeiten nochmals um ein Vielfaches. Selbst als Bildschirmschoner fungiert eine Bibel. An vielen Verpackungsschritten wurden Maschinen eingeführt. In Brooklyn arbeiteten 6 Brüder an der Vorbereitung der Kartons. Jetzt steht nur noch ein Bruder neben der Maschine und füttert sie mit ungefalteten Kartons - Falten, Füllen, Verschließen und Beschriften geht jetzt automatisch. Eine weitere Neuerung ist die Papierabsaugeanlage. Wo immer Papierabfall entsteht, wird dieser abgesaugt und zentral gesammelt. Dort werden einige Tonnen Altpapier zusammengepresst und helfen damit der Umwelt und den Kosten.
Richtige Hardcoverbücher gibt es nur noch für einige bethelinterne Ausgaben (mit Fadenheftung etc). Ansonsten ist sehr viel auf Softcover umgestellt worden. Seit einem Jahr werden in Amerika die Einbände mit Folie beschichtet, damit sie länger halten. Auch damit gab es anfangs Probleme: nach kurzer Zeit wellten sich die Deckel nach oben - vielleicht wegen Feuchtigkeit von der Rückseite? Es gab viele Anrufe von den Versammlungen. Mitlerweise ist es wohl gelöst.
Dann noch etwas zu dem Goldschnitt und Ledereinband der Deluxe-Bibeln. Der Einband ist nicht aus Leder. Und Gold hat diese Bibel auch nicht gesehen. Seid 6 Jahren werden all diese Materialien durch künstliche ersetzt. Sie erreichen nun den Qualitätsstandard und sind um einiges preiswerter. Apropros Qualitätsstandard. Es gibt ja Firmen (von Brüdern), die das Unterredungsbuch mit der Neuen-Welt-Übersetzung in ein Buch bringen und dann mit Goldschnitt versehen. Ein solcher Bruder wohnt gegenüber dem Saal in Long Island und hat eine kleine Firma, die sich darauf spezialisiert hat. Obwohl er das also gewerblich betreibt, hält sein Goldschnitt nicht so lange wie die Version der Brüder aus Wallkill!
Manchmal hat die Maschine die Kunstlederhaut nicht perfekt verleimt. Dann wird nicht weggeschmissen, sondern Schwestern bessern die Ecken aus. Nadine hat gleich den Beweis festgehalten, dass hier viele junggebliebene Schwestern arbeiten: ihre Einbände sind nicht nur mit den sachlichen Fakten versehen, sondern auch mit Schmetterlingen und Blumen :-) Als Mitarbeiter in der Druckerei muss man all die verschiedenen Abkürzungen auswendig kennen! Das Beispiel oben zeigt: Dl(Deluxe-Bibel)-bi12(Standardbibel)-m(mahogany, weinrot)-F(Französisch). w90 steht für den Wachtturm von 1990, wieso aber g88 für Erwachet von 1988? Erwachet beginnt doch mit E oder im Englischen mit A (von Awake). Weil diese Abkürzung noch aus der Zeit des Goldenen Zeitalters - Golden Age - stammt! Wieder was gelernt ...
Ein Detail der amerikanischen Situation wurde uns bereits gestern erzählt: Stromausfälle! Hier draußen in Walkill soll das wohl des öfteren vorkommen. Ich weiss gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal einen solchen erlebt habe. Nachdem die ROTA also ein weiteres Mal plötzlich stillstand, wurde in ein Netzersatzanlage investiert. Über so manche kleine "Selbstverständlichkeit" denkt man in Deutschland schon gar nicht mehr nach.
Nachdem wir Wallkill verlassen haben, treffen wir noch auf eine deutschsprechende Schwester aus Queens, sie lädt uns für morgen gleich mal ein. An diesem Abend treffen wir uns mit Wanda. Ich hatte sie 2003 in Moskau kennengelernt, sie ist 2004 nach Peking gegangen. Doch wie es der Zufall so will, ist sie seit September in New York und wird am 6. 12. Erik von Long Island heiraten. Endlich lerne ich auch mal ihre Eltern kennen. Alan hat nur zwei mal im Jahr ein Pokertreffen mit seinen Freunden - und heute ist einer jener Abende. So gehen wir ins indische Restaurant und auch Philipps lernen sie kennen. Danach steht noch der Heimweg an: erst um 1:00 Uhr sind wir in Oakdale, Marcel ist krank und hat Fieber.
2008/11/29Endlich können wir mal ausschlafen bis um 12:00 Uhr. Am Nachmittag geht es zu Herbert. Nur mal so: Nach Osten oder Westen? Auf keine Antwort fahre ich nach Osten. 100m später drehe ich auf Anweisung nach Westen um. 500m später dann wieder nach Osten. Wohin? Querstraße? Geht die über? Universität? Hallo? Karte: Wir waren jetzt 3 Kilometer falsch, müssen nach Westen. ARRRRGGHHHH!! Kommen aber doch irgendwann 16.00 Uhr bei Herbert an. Hier wollten wir erst übernachten. Er wohnt in dem folgenden Haus, jedoch im Keller. Vor einem halben Jahr hat er seine Frau aus DomRep geheiratet. Sie hat zwar noch keine Arbeitserlaubnis, doch hat zwischenzeitlich kaum englisch gelernt. Vielleicht, weil es zu viele spanische Fernsehsender gibt und natürlich auch spanische Versammlungen. Sie ist beim Friseur, also chillen wir bei "Stirb an einem anderen Tag" vor dem Großbild-Mitsubishi.
Ein neues Outlet-Center hat aufgemacht, da möchte Herbert mit Oskar hin. Macht nix, so verbringen wir auch gern einen Abend. Also shoppen wir von 17:30 bis 19:00 im neuen Outlet Mall - Marcel hat endlich Nike AIR!!! Man kann hier auch Schlittschuhlaufen! Was sagt Scrooge wohl zu unserer kleinen Prinzessin? Hmm, das könnt ihr wohl selbst beantworten. Es folgt gemeinsames Pizzaessen.
2008/11/30Wieder mal ausschlafen bis 11:00 Uhr. Nach dem 'Früh'stück 12:10 Uhr zur Versamlung West Patchogue, Long Island, USA. Zur Zeit ist Dienstwoche, der Vortrag des Kreisaufsehers hat das Thema: "Walk in the way of integrety". Unter den Interessierten sitzt ein deutscher Kriegsveteran, er studiert schon seit einigen Jahren. Mit ihm kann man sich nett auf deutsch unterhalten. Wir hingegen sind froh, endlich eine Versammlung auf englisch zu erleben und damit auch zu verstehen. Der Dienstaufseher hat eine witzige neue Idee: Ein Schild an der Ausgangstür erinnert dich, den Saal nicht zu verlassen, ohne deinen Bericht abgegeben zu haben. Das spart wohl Telefonate ...
Dienstansprache: "Cherrish your place in the congregation". What makes a good pencil? You have to keep 5 points in mind:
Am Nachmittag haben wir Debby und Berry in ein Restaurant ihrer Wahl eingeladen. Ihre Wahl fällt auf das Snapper Inn (Seafood) an der Küste. Marcel geht es wieder etwas besser, er kommt also mit. Das Restaurant ist wohl nicht ganz unsere normale Preisklasse, der Name ist sogar auf den Gläsern eingraviert. Marcel versucht Lobster (Hummer), ich versuche ein Steak vom Gelbflossenthunfisch. Auch die anderen sind von dem leckeren Essen begeistert. Hernach Eiscreme in Robin Basket
Den Abend haben wir gemeinsam vor der Flimmerkiste verbracht. Nach 20 Jahren sind die Kindervideos richtig sehenswert geworden. Einige unserer Mitreisenden waren zum Aufnahmezeitpunkt noch gar nicht gebore. Ein Video weiter tapsen sie dann durchs Bild. Familie Dexter war 1988 auch selbst in Deutschland. Als die ältere Generation dann das Bett aufsuchte, konnte ich meine Allgemeinbildung wieder um ein paar Disney-Klassiker erweitern. Dazu gehört Die Monster AG, Die Schöne und das Biest sowie Cinderella. Letzterer rette Disney einst vor dem Ruin. Jetzt fehlt mir nur noch Schneewittchen von 1937. Auf der Liste der erfolgreichste Film aller Zeiten bei Anpassung der Inflation belegt er Platz 10: 770 Millionen $ Gewinn für Disney!
2008/12/01Marcel ist jetzt richtig krank. Um 9:00 Uhr rufen wir bei seiner Alianz Auslandskrankenversicherung an, dann noch beim Arzt des Vertrauens. Um 10:00 Uhr sind wir in der Minute Clinic - aber statt einer Minute dauert es es 20 Minuten, denn wir müssen noch etwas warten und die Medikamente aufschreiben. Doch dafür berechnet die Ärztin nix, obwohl draußen eine etwas längere Preisliste hängt. Einfache Behandlungen kosten ab 59 Dollar aufwärts. Das Fieber hat schon 102,3 °F erreicht. Der Rat des Arztes ist damit klar: "Ab ins Bett!" Debby bleibt bei ihm, wir fahren shoppen, holen Zusatztaschen für einen Dollar sowie einen Heliumballon mit 'Get well soon'. Sicherlich hätte Scrooge keinen $1.50 dafür ausgegeben!!
Durch Innenstadt geirrt, denn wir wollten zur Fulton St (auf Karte drauf) Ecke Jay St (nicht auf Karte). Also Fulton abgefahren - am falschen Ende angefangen. Rechy mit 1h Verspätung doch getroffen. Bereits vor 2 Jahren hatte Alex hier in Brooklyn das Angebot erhalten, individuell besprayte Schuhe zu bekommen. Damals hatte er zu lange überlegt und sich fortan geärgert. Also hier ein Paar Reebok (gab keine preiswerten Nike) geholt und besprayen lassen. So sehen sie aus:
Dann in die New Yorker Metro Richtung Manhattan. Mit Zugangskontrolle, Fahrkartenautomat in englisch, spanisch, französisch und russisch!!. Zeigt nächste Station an, Bahnhöfe weder schön noch sonderlich sauber, aber Bahn weit leiser als die in Moskau. Leute lesen Bücher darin.
Rechy auf Arbeit besucht: Comiczeichnungen für Merchandising, Zweitverwertung etc. Fahrstuhl mit TFT-Flachbildschurm. Wichtig zum Zeichnen: echte Hulk-Handschuhe für Alex mit Soundeffekten:
Neben dem Crysler Building gelangen wir zur Grand Central Station - dem größten Bahnhof der Welt. Leider hat die Public Library schon geschlossen. In 'The Day after Tomorrow' wird dort das Steuerrecht zum Heizen benutzt. Damit sollte man vielleicht schon jetzt beginnen...
Endlich sind wir auch am Time Square. Im Toys'R'Us hängen Trucks von der Decke und ein Riesenrad über 4 Etagen ist eingebaut. Die New Yorker sind eben für 'supersize'-Dinge zu begeistern. Am Rockefeller Plaza kann man ebenso kostenlos Schlittschuh fahren, aber wir haben immer noch keine dabei.
Wer in New York war, muss natürlich zur Freiheitsstatue oder Statue of Liberty (not Freedom). Dann macht er dort ein Foto als Beweis: "Ich war da". Das machen Abertausende Leute, so gibt es Abertausende solcher Fotos. Irgendwie kann man sich das aber auch sparen, es gibt doch flickr.com und Photoshop. Jedenfalls waren wir auch da:
2008/12/02Berry verläßt uns in der Frühe, aber wir verabschieden uns noch kurz - ehe wir weiterschlafen. Unsere Koffer platzen aus allen Näthen, die preiswerten Shoppingtaschen für einen Dollar werden mit Klebeband und Schnur verstärkt.
Auf dem Weg zum JFK halten wir noch bei Kohls zum shoppen an. Und wir sparen wieder richtig Geld: Bei 2 (auch preisgesenkten) gleichen Artikeln gibt es den zweiten umsonst. Im Supermarkt gibt es Frühstücksflocken von Barbi, Sponge Bob, Hanna Montana, Cinderella, Arielle und wem auch immer. Dann kann ich mit meinem Lieblingsstar frühstücken!! Am Flughafen wird es schon dunkel, wir fliegen durch die Nacht in den Sonnenaufgang. Unter uns liegt das hell beleuchtete Long Island.
2008/12/03Was es doch alles in unserer Atmosphäre gibt: Für den Rückflug haben wir Rückenwind von 280 km/h. Die Bodengeschwindigkeit beträgt damit 1153 km/h - am Grund gemessen wäre das also Überschall mit einer normalen Verkehrsmaschine! Naja, wir hören leider keinen Knall, und ohne Wind bleiben auch nur knapp 880 übrig. Dafür dauert der Flug eine Stunde weniger, wir landen schon kurz nach 9:00 Uhr. Netterweise werden wir auch vom Flughafen abgeholt. In Berlin ist es noch kälter als in New York! (Jetzt will ich aber wirklich zurück nach Florida!). Und es fängt auch gleich an zu schnein!!
Im Flughafen steht uns jedoch noch die Zollkontrolle bevor. Die magischen 175,- Euro Freigrenze waren ein Thema den ganzen Urlaub lang. Nach mehreren Artikeln über das Gewissen und Ehrlichkeit im Buchstudium sowie Wachtturmstudium war unsere Entscheidung dann klar: wir besprechen die Situation mit dem Zoll und nehmen nicht einfach die grüne 'nichts-zu-verzollen' Linie. Doch die rote Linie war nicht besetzt, niemand zu sehen. Zwei Tage später erfahren wir den Grund: Pünktlich zum 1. Dezember 2008 (also einen Tag vor unserer Rückreise) wurden die Freigrenzen auf 430,- Euro hochgesetzt! Dazu fällt selbst mir nichts mehr ein. Eine Kontrolle der Mastercardabrechnungen förderten jene Größenordnung zu Tage :-) Es war wie ein Test des Gewissens. Würden wir das Richtige tun? Nachdem wir die richtige Einstellung hatten und bereit waren, dass auch zu tun, konnte 'man' einfach eine andere Lösung anbieten. Es war ja nicht das erste Mal in meinem Leben.
Mit Rechnen habe ich ohnehin einiges am Hut. Noch 1997 sind wir 10000 Kilometer im Westen der USA gefahren, aber das war auch geplant. In Florida und New York sind wir nur das nötigste gefahren. Also 2015, 746 und 744 Meilen, zusammen 3505 Meilen oder 5640 Kilometer! Dazu haben wir für 249 Dollar getankt, bei 2.05 $/gal sind das 122 Gallonen, also 462 Liter regular 86 Oktan Benzin. Damit liegt unser Durchschnittsverbrauch bei 8,2 l/100km - das geht doch noch, haben wir doch den Mietwagen nicht geschont. Vernünftige Fahrer müssen eben älter als 25 sein ...
PS: Da bin ich doch eine echte Sparmaschine. Junge Fahrer zahlen 25$ täglich für ihr Alter. Gesamtkosten durch 4 statt durch 3 zu teilen senkt die Ausgaben nochmals. Macht Ersparnisse p.p. 130 € für Mietwagen, 20 für Essen und 14 für Motel, zusammen also 164 Euronen.
Nachtrag: Ich hatte die Musik ja bereits erwähnt. Um einen Eindruck bzw. Erinnerung zu erhalten, habe ich mir einige Stationen im Internet gesucht. In 2008 gibt es ja schon webradio. Bin dann bei power96.com hängengeblieben - die spielen noch immer die oben angeführten Lieder! In der Liste der 10 letzten Lieder wiederholen sich einige Titel, und das mehrmals am Tag!!! Nervt das den niemanden?
Wie dem auch sei, zwischendurch läuft ja auch Werbung. Hier in Deutschland ist mir beim Zuhören etwas noch um so mehr aufgefallen. Zum einen wird gegen Drogen aufgerufen. Sponsor ist die Regierung. Gut, das kennen wir auch aus Deutschland. Einen anderen Trend haben wir aber noch nicht: Man hört eine junge Frau erzählen: "Das weiße hier unten ist Sand. Schau, wie es durch die Finger rinnt. Es besteht aus vielen kleinen Felsen." - diese Frau mag für sie etwas verrückt und einfältig erscheinen. Nicht aber für ihren kleinen zweijährigen Sohn: "You don't have to be a perfect parent to be a perfect parent. You just have to be there!" Man fordert also per Radio dazu auf, sich auch mit seinen Kindern zu beschäftigen. Mit ihnen zu reden. Sich um sie zu kümmern. Auch wenn man etwas Müll erzählt. Oder ihnen einfache Banalitäten erklärt. Ihnen versucht, etwas Selbstverständliches klar zu machen. Ein anderes Ad ist mit einem Vater, der vom Sohn angesprochen wird, weil dieser ein Mädchen nett findet. Die Antwort des Vaters regt natürlich zum Schmunzeln an. Sollen etwa auch Eltern ihren Kindern etwas beibringen? Wozu haben wir dann Lehrer? (Das war Ironie!!!)
Zwar hatten wir in Deutschland schon 2006 Plakate mit "Mehr Zeit für Kinder". Aber das sah eher professionell und an Akademiker gerichtet aus. Diese Werbung im Radio Floridas zielt hingegen eindeutig auf soziale Randgruppen ab, die ohnehin den ganzen Tag nur fernsehen. Warum ist wohl ADHS in den letzten Jahren so angestiegen? Weil die Ausrede einfach ist: Ist ja nur eine Krankheit. Ich bin nicht schuld. Hier ist die Pille - Problem gelöst. Dabei schrieb Dr. Heinrich Hoffmann schon 1858 in seinem Kinderbuch "Struwwelpeter" von einem Zappel-Philipp. Hat übrigens nichts mit der mit mir reisenden Familie zu tun. Jedenfalls hat man damals noch versucht, seine Kinder zu erziehen und nicht apathisch zuzusehen. Bezeichnenderweise wurde jenes Buch von antiautoritären Pädagogen kritisiert. Habe mir das hier mal notiert, weil ich es ab 2017 gern zitieren möchte :-)
PPS: Bin ich eigentlich etwas verrückt? Das html-Gerüst dieser Seite hat 86685 Bytes, ich habe also genausoviele Zeichen in die Tastatur gehackt, nur um diesen Bericht zu schreiben. Umgerechnet in Schreibmaschinenseiten (80x25 - 2k) wären das also 43 Seiten. Wer schreibt denn solche langen Briefe?
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