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Ursprünglich hatte Damaris diesen Urlaub geplant. Dank intensiver Suche im Internet nach unberührter Natur kam sie irgendwann auf den Urwald in Ostpolen an der Grenze zu Weissrussland (Białowieża-Nationalpark). Auch wenn sie ihn uns den ganzen Urlaub als "Regenwald" verkaufen wollte. Die weitere Recherche führte sie jedefalls auf die Hohe Tatra. Sie besorgte sich ein entsprechendes Buch mit 50 Wanderrouten sowie einschlägiger Erfahrungsberichte aus dem Internet (insbesondere jener mit Helga). Slawek kommt auch mit und kümmert sich um das Auto. Das war nicht ganz so einfach, der Weg führte über Audi 80, hypothetischen Nissan Micra und gasbetriebenen Renault Espace zu EuroLines - mit dem Bus. Immerhin sorgten die Vorbereitungen schon für Heiterkeit. Ein Running Gag, den man jederzeit mit Sanella teilen konnte, waren Frauenrucksäcke und spezielle Han-Waag Wanderstiefel für schmale Füße. Nicht zu vergessen natürlich eine Hightech-Isomatte :-)
Diese drei blieben letzen Endes übrig, um in den Urlaub zu fahren
Vorabbesprechung am 26. September: keine vierte Person, das mit dem Auto wird auch nicht so einfach ... Unterkunft in Polen: www.cichykacik.wczasywpolsce.pl schon mal einfach gebucht ... Letzten Endes Bus geplant - und dann irgendwie weiter, Einzelzimmer für Damaris, ...
Einige Besonderheiten des kleinsten Hochgebirges der Welt wurden am 1. Januar 2009 um 21:35 Uhr auf der ARD gezeigt. Der Film "Zauberberge - Die Wildnis der hohen Tatra" erzählt in 45 Minuten spannende Geschichten und Märchen dieser Traumlandschaft. mehr ...
Samstag, 04.10.2008Abfahrt Bus 6:28 vom ZOB (Zentraler Omnibusbahnhof Berlin), Bus kam mit Verspätung, eine Mitfahrerin bemerkte Höhe Tempelhof, dass sie ja gar nicht nach Krakau, sondern Stettin wollte - also Rückfahrt, und pünktlich eine Stunde später fuhren wir endlich 7:28 von Berlin ab. Bus bis Krakau, unterwegs Bus gewechselt, Ankunft 15:35. Unterwegs zwei Filme gesehen. Von Krakau 16:06 nach Zakopane. Ankunft 18:23 im Dauerregen - so sollte ein Urlaub sein.

Bus nach Bukowina Tatraskivo 20:30, also noch Lebensmittel kaufen, 20:50 in Bukowina die richtige Straße und das richtige Haus gefunden, Busfahrer fährt uns bis vor die Tür. Oben die Aussicht auf die schneebedeckte Tatra bei unserer Anreise.
Sonntag, 05.10.2008Karte gekauft, Wachtturm vorbereitet, Busfahrpläne, Bushaltestelle (Individualabstand ...), 14:00 Start nach Zakopane (15 minuten Fahrt), neuen Saal auch noch rechtzeitig gefunden (16:00 Versammlungsbeginn), aber leider noch nicht in Benutzung. Also weiter durch die Stadt geirrt, um dann 17:10 vor einem großen Wohnhaus zu stehen. Kein Name, Tür offen, einfach raufgegangen. Niemand reagiert auf das Klingeln, Blick zum Kellereingang, neugierig nachgesehen - im Fenster lag ein polnischer Wachtturm - wir waren richtig!
Versammlung: 5 prozent verstanden, Ende des Wachtturms von Absatz 10, Saal im Keller des Hauses wurde 1987 gebaut, seit 1992 Versammlung geteilt. Neuer Saal in 3 Wochen in Betrieb. Beide Versammlungen 100 Verkündiger und 20 interessierte, aber in Urlaubszeit 50 Brüder und 70 Gäste in Versammlung anwesend. Bruder der gebaut hat war 50 Jahre als reisender Aufseher in Polen unterwegs. Nächste Woche Besuchswoche von Kreis- und Bezirksauseher.
Abendessen bei den Räubern - mit ordentlich Lärm begrüßten uns jene, als wir ach zu zaghaft an ihre Pforte klopften. Der Innenraum war mit diversen "geraubten" Dingen dekoriert, man fühlte sich gleich heimisch. Doch das Essen war räuberisch-lecker.
Montag, 06.10.2008Nieselregen, Aufstieg über gesperrte Straße (Hang abgerutscht und Straße an 4 Stellen weggebrochen) dann nach 2,5 Stunden am Meeresauge (engl.) angekommen, Regen aufgehört, Bilder, Rückweg etwas interessanter über die blaue Route zum großen See, Sonnenschein, Luftprobleme, Schnee, Höhe, ... etwas zu spät angekommen. Anderer Wanderer begegnet: Abstieg dauert mindestens 2 Stunden, doch letzter Bus fährt in 1,5 Stunden!!
In jedem Fall hatten wir eine herrliche Aussicht. Auf dem höchsten Punkt der blauen Route in 1840 Metern war der Blick auf das Tal mit dem Morskoje Oko gerade hinter uns gelassen, als sich vor uns das "Dolina Pieciu Stawow Polskich" (Tal der fünf Teiche) öffnete. Zwar lag noch vereinzelt Schnee, doch die ersten drei Seen wie auf dem folgenden Foto konnten wir auch sehen.
Unten im Tal kann man schon die Hütte "Schronisko w Doline Pieciu Stawow Polskich" erkennen - noch ahnen wir ja nicht, das dies unsere Notunterkunft werden wird. Also doch kein Tagesausflug, sondern um 17:00 Notunterkunft in der Hütte gebucht - ohne Schlafsack, aber mit Decken. Abendessen, nur noch 30 Sloty übrig - nur "Brot und Wasser"?
Dienstag, 07.10.2008Manchmal wird einem erst hinterher bewußt, wie eine Verkettung von unvollständigen Karten, Missverständnissen, zurückgehaltenen Informationen und interessanten Charaktermerkmalen zusammen mit schlechter Ausrüstung zu unvergesslichen Erlebnissen führen kann. In unserem Fall begann die Geschichte ganz unspektakulär.
Direkt nur 2 Stunden Abstieg oder kleinen Umweg und dann nach Zakopane. Spart ja auch Geld, denn in Zakopane können wir Geld tauschen. Pass auf 1900 Meter, also nur 300 Meter Aufstieg und von dort aus nur noch bergab!!. Schade, Karten lesen will gelernt sein. Der Pass Zawrat liegt auf 2158 Metern Höhe. Aufstieg mit Sonnenscein, dann steigt Nebel auf - hinter Mattias, der die karte liest. Schnee macht den Aufstieg schwieriger, Weg nicht erkennbar. Dann endlich mit einer Stunde Verspätung geschafft. Slawek hat verstauchten (gebrochenen ?) Finger, der auch noch blutet. Oben auf andere Wanderer getroffen, sie wundern sich über unsere unpassende Ausrüstung - z.B. Jeans.
Der Weg zum Pass von Zawrat ist auf dem folgenden Bild sehr gut zu erkennen. Doch wenn der Weg eingeschneit ist, kann man ihn keineswegs zu gut erkennen. Zudem kann man durch Schnee nicht hindurchsehen, um zu wissen, wo man wieder felsigen Boden unter sich hat. Die Plusgrade zusammen mit Nieselregen sorgten sehr schnell dafür, dass unsere Schuhe durchgeweicht waren.
Etwas rechts der Mitte des Bildes sieht man den Weg hinter dem Pass verschwinden - an dieser Stelle meinten wir beim Aufstieg, die 1900 Meter Höhe erreicht zu haben und nur noch einen Abstieg vor uns. Doch erhoben sich um uns herum die Berge nur in die Höhe. Es gab keine einzige Stelle, die niedriger als unsere Position war. Matthias schaute noch einmal auf die Karte - und wie er gedankenversunken versuchte, die ihn umgebenden Berge in der Karte wiederzufinden, erhob sich hinter ihm lautlos eine riesige Nebelwand. Slawek und Damaris fühlten sich an eine Kategorie Filme erinnert, die einem einen kalten Schauer über den Rücken jagen. Ihr Rat daher: "Dreh dich bloß nicht um!" Es muss wohl ein beeindruckender Anblick gewesen sein. Hinter mir stand tatsächlich eine weiße Wand.
Abstieg des Passes sehr steil, Slawek rutscht gleich mal 5 Meter ohne Halt auf dem Schnee den Hang hinab und bleibt paralysiert liegen. Langamer Abstieg, andere 3er Gruppe holt uns ein, leiht uns Stöcker und begleitet uns bis zur Hütte. Unterwegs den Weg mit weiteren Blutspritzern gekennzeichnet. Warum steht eine Maria am Zawrat? Und eine brennende Kerze, wie man sie von den Friedhöfen kennt? Immerhin gibt es dort einen kleinen Vogel, der einem Sperling sehr ähnlich sieht. Keine Ahnung, was für ein Vogel es wirklich war. Vorbei am Schwarzen See, den man auch den Eissee nennt, weil er auch im Sommer fast zugefroren ist. Nur an den Rändern und beim Zufluss aus Bergbächen ist das Eis getaut. Herrliche Aussicht.
Eine Besonderheit sind die Berghütten hier in der Hohen Tatra tatsächlich. Sie werden ausschließlich per Fuß versorgt. Es ist das letzte Hochgebirge, wo diese beschwerliche Variante noch immer Tradition hat. Doch Besucher der Alpen werden es zu schätzen wissen, als Kontrastprogramm zur Versorgung per Hubschrauber. Denn so kann man die Stille tatsächlich genießen.
Abends unterhalten, gut gegessen, denn man konnte mit Kreditkarte bezahlen. Wie wandert man optimalerweise: von Hütte zu Hütte, beginnend in der Westtatra (nicht ganz so hoch, eher steinig, siehe hier) zur Hohen Tatra. Jene ist sehr felsig, harsch, kantig - und hoch.
Nun sind wir wirklich nach Kuznice abgestiegen, nach Zakopane gefahren und haben Geld getaucht, dann direkt nach Bukowina. Unsere Gastgeberin hatte sich schon Sorgen gemacht und wollte die Polizei rufen, als wir nach unserem Tagesausflug nicht zurückkehrten - wir waren ja auch 3 Tage weg. Erst mal Dusche, frische Sachen. Dann Buchstudium nachgeholt, und abends noch nach Zakopane. Wir wollten gern wall-e auf polnisch (also englisch mit polnischen Untertiteln) ansehen. So haben wir die Altstadt und die Einkaufspassage entdeckt. Zur Übersicht noch mal ein großes Modell der Hohen Tatra, unser Weg läßt sich komplett verfolgen.
Abendessen in Nobelrestaurant mit Livemusik von den Goralen. Leckeres Essen (Hammel) und noch etwas Honig mit Zimt für den Durst hinterher.
Etwas spät Aufbruch Richtung Grenze, herrlicher Sonnenschein
10:38 Ankunft Grenze, nächster Bus 12:00 Uhr (vorheriger 10:32), gelaufen durch malerischen Herbstwald. Slowakei bekommt Euro ab 2009, Kurs 1:30,1260, aber noch kann man nirgends bezahlen!
Bus fährt kurz nach 12:00 Uhr, nimmt Euro, bis nach Tatranská Kotlina. Höhle von innen - Slowakei hat 12 ihrer Sorte, leider nicht die Freiheitshöhle. Es ist die Belianska jaskyna (Jaskinia Bielska).
Eintritt 200 Kronen, aber der Kurs von 30,1260 wird noch nicht angesetzt, sondern 27,irgendwas - also mehr bezahlt... Es gibt 12 öffentlich zugängliche Tropfsteinhöhlen (alle ca. Jura-Zeit, also 200 mya) - auf der Eintrittskarte sind jene verzeichnet. Die Slowakei hat auch kaum Flachland, besteht zum großen Teil aus den Karparten und von jenen aus eben aus der Hohen und Niederen Tatra.
Essen zu Hause und philosophieren bis spät in die Nacht
Bus, Frühstück um 8:30 - nein, Zettel an Damaris Tür, Frühstück um 9:00 bei ihr. Sie hatte wohl noch einen kleinen Ausflug gestartet. Doch auch um 10:00 war sie von diesem noch nicht wiedergekehrt! So frühstückten Slawek und Matthias allein (Slawek war kurz zum Bäcker gelaufen) und Matthias verfasste diese Seite hier.
Wandern Berg hinauf Kusnice, Seilbahn, Essen, Honigwein, Film "Babylon A. D. Wir haben diesen Film (typisch Vin Diesel) natürlich nicht bis zum Ende ausgehalten, sondern nach einigen Szenen das Kino verlassen.
Samstag, 11.10.2008Aus einer geplanten Fahrt mit der Seilbahn wurde ein ganztägiger Aufstieg bei herrlichem Sonnenschein durch die Westtatra zum ersten felsigen Berg der Hohen Tatra.
Aufstieg auf den Kaprowy Wierch auf 1984 Meter, weiter auf dem Roten Wanderweg über Posrednia Turnia (2128 Meter) zum letzten Anstieg zum Swinica (2301 Meter)
Vom Kaprowy Wierch: Herrliches Panorama:
Auf Kaprowy Wierch: nicht genügend Zloty für Talfahrt - es reicht nur für ein Ticket. Also auch dieses Geld für Getränke ausgegeben und losgezogen. Natürlich sind wir dennnoch ins Tag gefahren - andere Fahrgäste haben einfach 10 Euro eingetauscht, somit kamen die nötigen 34 Zloty zusammen :-))
Sonntag, 12.10.2008Sonnenbaden, Wachtturm vorbereitet, Musik vom mp3-player, Kotletburger auf dem Weg zur Versammlung, leider kein Besuch vom Kreis- und Bezirksaufseher, sogar kein Vortrag, dafür Gebärdensprachengruppe. Polnische Kinder schauen mit in den deutschen Wachtturm, um die vorzulesenden Bibelstellen zu erraten (Sprüche ist schwierig - es heißt Przysłów auf polnisch)
Abends genügte die einfache Aufgabe, ein Bier zu öffnen, um Slawek zu der Einladung zu motivieren, den Urlaub doch noch um eine Woche zu verlängern. Matthias versuchte sich zuerst mit den beiden Schlüsseln, doch ließ verantwortungsbewußt davon ab. Damaris setzte hier fort, bis er aus dem Keller mit einem geeigneteren Werkzeug zurückgekehrt war. Erstaunt betrachtete Damaris den Korkenzieher und fragte: "Hiermit soll das einfacher gehen?" Ohne eine Antwort abzuwarten, machte sie sich an die Arbeit, die Korkenzieherspirale an den Kronkorken anzusetzen. Eine Sekunde später lag Slawek am Boden - sich vor Lachen krümmend. "Was habt ihr denn?" Es war auch zu komisch. Gefühlte 5 Minuten später entdeckte sie dann den Flaschenöffner an der entgegengesetzten Seite des Korkenziehers. "Hach, ach ja" - jene Momente waren zu häufig, um sie hier alle aufzuführen :-)
Montag, 13.10.2008Der Tag beginnt um 6:10 Uhr genau so, wie er sein sollte. Draußen werden die ersten Sonnenstrahlen sichtbar und erhellen den Blick auf das Panorama der Tatra. Damaris weckt uns und bringt uns frischen Kaffee und Tee ans Bett. Leider ist das aber der Auftakt des letzten Tages.

Das Panorama der Tatra hatte sich innerhalb der Woche ganz schön gewandelt. Fast kein Schnee ist mehr zu sehen. Und einige der Berge kennen wir schon mit Namen oder waren gar auf ihnen.
Rückfahrt war viel einfacher: Direkt von Bukowina fährt ein Bus nach Krakow, also kein Umweg über Zakopane. Darin trifft man auf viele nette Leute. Junge Männer begrüßen einen mit Handschlag und fangen gleich ein Gespräch an. Dabei stört es sie nicht, dass man kein einziges Wort versteht. Auch ein Antwortschwall aus deutschen, russischen oder englischen Worten bringt keinerlei Denkfalte auf ihre Stirn. Unbeirrt fragen sie dich auf polnisch weiter. Dank der Betreuerin wird die Bedeutung und Aufgaben der katholischen Kirche in Polen etwas deutlicher.
Auch zum Abschluß hatte uns Damaris noch etwas Nervenkitzel aufbehalten. Schon bei der Hinfahrt hatte sie ihr Ticket verloren. Würde man mit 3 Personen nach Berlin zurückfahren können, obwohl nur 2 das entsprechende Papier haben? Die Eurolines-Verwaltung in Krakow war unerbittlich - ein weiteres Ticket muss gekauft werden. Unsere letzte Hoffnung war der Busfahrer. Das folgende Bild zeigt ihn im Gespräch mit Slawek:
Natürlich ging alles glimpflich aus, auch wenn der Bus ab Breslau bis auf den letzten Platz besetzt war. Nur eine Tasche Übergepäck mussten wir bezahlen. Auf der Fahrt konnten wir unsere Allgemeinbildung wieder um drei Filme erweitern . Um 21:30 trennten sich in Berlin dann unsere Wege auf dem Bahnsteig Messe Nord/ICC.
Slawek plante gleich noch eine Tour mit vielen Leuten in die Hohe Tatra. Er hat sehr viele angesprochen - aber nicht uns beide. Warum wohl? Wie dem auch sei, das Experiment mit dem eigenen Auto hat er jetzt erst mal auf Eis gelegt. Dass meine Raichle-Schuhe mit Gore-Tex XCR nicht wasserdicht waren ließ mir hingegen keine Ruhe. Der Hersteller bestätigte, dass das nicht hinzunehmen sei. Ich schickte sie also ein und erhielt den kompletten Kaufpreis erstattet. Obwohl ich sie August 2007 erworben hatte. Ein neues Paar wäre mir aber lieber gewesen. Raichle gehört übrigens zu Mammut, ist also keineswegs noname.
Der folgende Text ist von der ARD-Mediathek kopiert. Ich möchte dadurch nur sicherstellen, dass der Text als Ergänzung dieser Seite bestehenbleibt. Für Internetseiten ist das nicht garantiert.
Auch im dicht besiedelten Europa gibt es noch Orte, die an die Welt alter Märchen erinnern. Ein solcher ist die Hohe Tatra an der Grenze zwischen der Slowakei und Polen. Märchenhaft wirken nicht nur die wildromantischen Almen und Weiden, sondern auch die Geschichten, die die Schafhirten am Lagerfeuer erzählen. Sie berichten von einsamen, heißen Sommern, schaurigen Gewittern und Schneestürmen, von lauernden Wölfen und Kämpfen gegen Braunbären. Doch nichts von all dem ist erfunden. Es geschieht Jahr für Jahr im Herzen Europas, in der dramatischen Bergwelt der Hohen Tatra.
Mit einer Grundfläche von nur 30 mal 20 Kilometern nennt man die Hohe Tatra auch das kleinste Gebirge der Welt. Diese Bezeichnung klingt niedlich, ist aber irreführend. Viele der 300 Gipfel sind über 2.500 Meter hoch, der höchste - der Gerlach - misst 2.655 Meter. Die Sommer sind heiß und kurz, die stürmischen, bitterkalten Winter verwandeln die Gipfelregionen monatelang in eine Eiswüste, und die Wetterstürze können mit jenen in den Alpen spielend mithalten. Hier hat sich eine Tierwelt erhalten, die man im restlichen Europa nicht mehr findet. So leben in den slowakischen Karpaten rund 200 Wölfe.
In der Slowakei schleichen nach Schätzungen von Biologen rund vierhundert dieser großen Katzen durch die Wälder. Nach Schätzungen von Biologen schleichen rund vierhundert Luchse durch die Wälder. Auch Braunbären bietet die Hohe Tatra noch ausreichend Lebensraum. In den Alpen kennt man die wenigen Braunbären beim Namen, in den Karpaten streifen sie noch zu Hunderten durch die einsamen Wälder, nicht selten zum Ärger der Hirten, Bauern und Imker. In der obersten Etage der Tatra lebt neben den alten Erzfeinden Steinadler und Murmeltier eine zoologische Besonderheit: Gämsen, eine eigene Unterart, die sich von anderen alpinen Gämsen erstaunlich unterscheiden. Die Bestände sind durch intensive Bejagung stark zurückgegangen. Die letzten Tatra-Gämsen leben im Hochgebirge in kleinen, isolierten Gruppen. In den Wäldern der Hohen Tatra spürt man am deutlichsten, dass in diesem Landstrich die Zeit stets langsamer lief, mitunter sogar stehen blieb. Es ist ein armes Land, dünn besiedelt, der Tourismus noch immer bescheiden, exzessive Forstwirtschaft hat es nie gegeben. So blieb vor allem im Bereich des Nationalparks ein Märchenwald erhalten - eine gesunde Mischung aus Laub- und Nadelhölzern, durchflossen von unregulierten Flüssen und Bächen. Und so hat sich auch in einigen kleinen Dörfern und entlegenen Höfen die Welt von Gestern erhalten. Bei lokalen Hochzeitsfeiern oder der traditionellen Ostermesse am Berg spürt und erkennt man sofort, dass es hier nicht um Folklore, sondern um Brauchtum geht, dass bei den Bewohnern der Hohen Tatra noch tief verwurzelt ist. Vielleicht, weil sie meist unter sich sind, denn die "Besuchszeit" in der unwirtlichen Bergwelt ist kurz. Im Juli und August kommen die Wanderer, und die Steilwände locken Kletterer aus aller Welt. Manche kehren von ihren Touren nicht mehr zurück - nicht zuletzt, weil die Hohe Tatra für ihre plötzlichen Wetterstürze berüchtigt ist. Das unwirtliche Klima, das launische Wetter macht die Hohe Tatra letztlich zur Schutzinsel für Tiere und Pflanzen. Ende August verschwinden die letzten Touristen, und spätestens im Oktober verlassen auch die Hirten und Schafe die Almen. Von Glockengeläut begleitet wandern Männer, Hunde und die Herde talwärts. Dann ziehen nur noch graue Wolken über die Tatra, und es riecht nach Schnee.
Im November wird die gespenstische Stille noch einmal unterbrochen: Gamsböcke duellieren sich und jagen einander kreuz und quer über die Felsen und Schneefelder. Der Winter erscheint sozusagen über Nacht. Er fällt buchstäblich über die Berge und Täler her, vereist Flüsse und Seen und lässt arktische Stürme um die Gipfel heulen. Alles Leben scheint ausgelöscht, nur die vereinzelte Spur eines Luchses oder das ferne Heulen der Wölfe verrät, dass große Jäger keinen Winterschlaf halten.
Sprachkurs Slawek Polnisch-russisch
www.werhatrecht.de
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