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Seit kurzem arbeite ich als Lehrer, damit habe ich Urlaub wann immer die Schüler in Niedersachsen Ferien haben. Die Gutstunden von über einem Monat sowie 5 Tage Resturlaub meines alten Arbeitgebers wurden ausgezahlt - ich hatte mir einen Urlaub also wirklich verdient. Wo war ich noch nicht? Ach ja, Skandinavien. Die Kanutour 1996 nach Schweden musste wegen Krankheit ohne mich stattfinden. LonelyPlanet vom Baltikum als auch Skandinavien bestellt und dann einfach los! Es war nicht ganz so einfach, Samstag, den 15. Oktober wollte ich losfahren. Dann war noch ein Treffpunkt zu leiten, dann Gruppendienst, eine Einladung, Wurzel im Vorgarten, zweite Einladung, Mitternacht. Also Sonntag den Rest freigegraben, Kettensäge ran, zwei Autokupplungen zum Glühen gebracht - und der Baumstumpf war endlich aus dem Vorgarten entfernt. Schon wieder dunkel. Also Sachen packen, schlafen legen, um Mitternacht startet der Urlaub!
Hier der mitlerweile übliche Absatz zur Musik des Urlaubs: Die ersten drei Tage hatte ich das Radio gar nicht an, sondern lauschte Vorlesungen von jw.org oder Bibelpassagen. Die Musik war eher klassisch geprägt: Lisa Gerrad - Now are free, Korobushko, Emma Shapplin - Carminemeo, Concierto de Aranjuezu - Adagio, Sy_4A-dur_Op90 - Medelssohn-Bartholdy. Vom Inhalt fühlte ich mich oft in "I would be true" (bzw. „I'm just an ordinary man“ :-) wieder, einer Abwandlung des Londonderry Air bzw. Air from County Derry. Naja, Pop gab's nach einiger Zeit auch, populär war u. a. Moves like Jagger von Maroon 5.
Um 0:00 Uhr klingelt der Wecker. Schnell einen Kaffee gemacht, Taschen für das Auto bereitgestellt. Ich habe das Navi vergessen! Das heißt, ich habe die Karten noch gar nicht heruntergeladen - das dauert mindestens eine Stunde! Wegen Problemen mit OVImaps und XP und dann Windows7 usw. ging es um 4:00 Uhr los. Eigentlich eine gute Zeit: Der Elbtunnel ist leer - wie die Straßen sonst auch. Die folgenden 470 Kilometer geht es ohne Probleme nach Dänemark. Ich fahre um 9:30 Uhr über die Storebæltsbroen (längste Hängebrücke Europas, drittlängste der Welt) und werde zur Zahlung von 220DK aufgefordert - alternativ tun es auch 32 Euro! Man ist es aus Deutschland eben nicht gewöhnt, für Straßen und Brücken zu bezahlen. Naja, und eine Alternative in Form einer Fähre gibt es nicht. Bei Kilometer 569 erreiche ich 11:30 Kopenhagen, die größte Stadt Skandinaviens.
Um die Stadt leichter erkunden zu können haben sich die Stadtväter etwas Interessantes einfallen lassen: Kostenlose Fahrräder! Überall um den Altstadtkern verteilt finden sich Ausleihstationen, bei denen man für 20DK Pfand ein Fahrrad entfernen kann. Damit habe ich den Altstadtkern gleich zweimal umrundet. So sieht eine Ausleihstation aus - ein Stadtplan ist gleich fest installiert:
Überhaupt ist Kopenhagen sehr für Fahrradfahrer ausgelegt. Beinahe jede Straße hat einen eigenen Fahrradstreifen, der fast so breit wie die Autospur ist - und deutlich breiter als der Fußweg. Nur bei Fahrradhelmen haben die Dänen einen 'gewöhnungsbedürftigen' Geschmack. Sie nutzen Helme, die sonst nur Skateboarder und Snowboarder tragen. Ich hatte jedenfalls mein Fahrrad ohne Helm. Schon nach kurzem Radeln treffe ich auf den Vergnügungspark Tivoli, ich kannte vorher nur Tivoli, obwohl es viele Tivoli's gibt:-) Aber nach Vergnügungspark war mir heute nicht.
Kleine Meerjungfrau Bilde, Stadtkern, Botanischer Garten,Große Flächen Kopenhagens sind für Parkanlagen reserviert. Man hat also immer etwas Grün um sich herum, wenn auch sonstige Flächen der einfacheren Reinigung wegen "versiegelt" sind. Das war mir schon in London aufgefallen und wird sich durch weitere Großstädte meiner Reise ziehen. So hat Kopenhagen auch einen Botanischen Garten, doch leider darf ich mein Fahrrad nicht mit hineinnehmen:
Übrigens heißt "frei" oder "leer" (im Sinne von 'nicht besetzt') in den nordischen Sprachen wohl "ledig". So trifft man also auf ledige Parkplätze, beim schwedischen Frisör gibt es ledige times usw... Auch gibt es Ecken, die mich an meinen alten Arbeitgeber erinnern, wir haben das alles aber weit dezenter gelöst. Und natürlich hat die Bewegung "Occupy Wall Street" auch Kopenhagen erreicht:
Nach der Besichtigung Kopenhagens fahre ich um 17:15 mit der Fähre "Tycho Brahe" Helsingør-Helsingborg (bei km619,320DK,43€) nach Schweden hinüber. Beim Zoll werde ich tatsächlich nach meinen Reiseplänen gefragt. Weiter geht es nach Göteburg (km874 um 20:00), die Grenze Norwegens erreiche ich gegen 23:00 Uhr (km1049). Da gleich nach der Grenze eine Mautstation ist und ich nicht weiss, wie man bezahlen kann (außer mit Norwegischen Kronen - die ich nicht habe) und alle Umtauschstationen geschlossen haben übernachte ich dort erst einmal.
Einfach mal an die Mautstation gefahren - und siehe da, man kann auch mit Kreditkarte bezahlen! Der nächste Infopunkt hat auch deutsche Informationen zum norwegischen Mautsystem, so langsam steige ich durch. Noch einmal 153 Kilometer fahren und ich bin in Oslo (km1202) - der teuersten Stadt weltweit, was die Lebenserhaltungskosten betrifft (damit hat sie Tokio abgelöst, die 14 Jahre auf Platz 1 stand). Als Berliner einen Kebap für 6 Euro angeboten zu bekommen (Berlin: 2€) ist schon eine harte Nuss. Ansonsten beeindruckt Oslo als ruhige, saubere und gut organisierte Stadt. Ein Großteil des Stadtkerns machen Einkaufsstraßen mit Glasfassade und Leuchtreklame aus - wie in jeder anderen Stadt, also nicht wirklich eine "Sehenswürdigkeit". Das Fahrradsystem ist hier anders gelöst:
BILD
Interessant: Belüftung der Keller, im Winter liegt viel Schnee und es soll nicht hineinlaufen. Außerdem: Beheizte Regenrinnen (bild), Bombenanschläge 2011, 19:00 Grenze Schweden.
... bla ... 1:00 Stockholm, 9:00 Fahrt nach Gamla Stan, 12:00 Backpackers, Dorm, 13-17:00 Gamla Stan, 20:00 Bett, 21:00 schlafen
Eine Übernachtung habe ich übrigens im City Backpackers gefunden. Der günstigste Preis im Mixed Dormitory sind 280SEK (31€), aber dafür gibt es auch überall freies WiFi und sogar AirPrint für das iPad. Somit kann ich meine Buchung für die Fähre komplett wireless durchführen und aus irgendeiner Ecke kommt noch das nötige Papier. Weiteres Kuriosum: Mitten in Stockholm läuft jmd. mit "No to religion" herum. Erst wollte ich nur sein Schild fotographieren, dann beginnt er eine Diskussion mit drei jungen Musliminnen. War bestimmt ein interessantes Gespräch!
Heute heißt es: Früh aufstehen! Der Wecker klingelt um 5:00 Uhr, damit ich spätestens 5:30 das Hostel verlasse, um kurz vor 6 beim Auto zu sein und dann pünktlich bei der Fähre - eine Stunde vor Abfahrt 7:15 Uhr. Dort warte ich gelassen neben der Silja Europa, der einst größten Kreuzfahrtfähre der Welt (breiter als Titanic, schneller, mehr Verdrängung usw. - also größer). Bald steht mein Auto auf Deck 4 und ich erkunde die anderen 12 Decks:
Die 11-stündige Fahrt über die Ostsee an den Tausenden Inseln Finnlands vorbei war natürlich ein Erlebnis - und erholsam:

An Bord gab es allerlei Komfort, der Überfahrtpreis von nur 36 Euro für Auto und Person wundert mich noch immer - vor allem angesichts der Preise anderer Überfahrten, die oft nicht mal eine halbe Stunde dauerten. Hier hatte ich gar freies WIFI (obwohl Port 21 - ftp - gesperrt war). An den vielen kleinen Inseln vorbei zusammen mit den an Bord befindlichen Karten erhält man einen Eindruck, warum die Schifffahrt in Zeiten vor GPS und Satellitenbildern durchaus gefährlich war. Und welchen Wert eine gute Karte hatte.
Jetzt sagte mir mein iPad auf den Meter genau, wo unser Schiff sich befand, dank WiFi mit hochaufgelösten Luftaufnahmen und Straßenbezeichnungen. Seit 1996 gibt es zwar kein McDonalds mehr (war einst das erste auf Hoher See), aber auch so ist eine große Auswahl an Restaurants vorhanden.
20€ Steak, Turku 18:30/19:30 Tampere 21:00/22:00 Zeitverschiebung, 22€/Nacht
Tampere liegt zwischen den beiden Seen Näsijärvi und Pyhäjärvi, durch die Energienutzung der verbindenden Stromschnelle entstand das "Manchester des Nordens" (Manche), welches noch heute deutlich zu sehen und zu besichtigen ist. Ich übernachte im DreamHostel.fi nahe des Stadtzentrums und mit dem Rücken zum HolidayInn (für etwa ein Fünftel des Preises).
Schlösser an Brücke, Blutwurst auf Markt, Seenlandschaft: 187888 Seen, 98050 Inseln, 5100 Stromschnellen ... 10-12 Uhr Tampere, Fahrt: Geschwindigkeitsbeschränkung und BLITZER
Kostenlose Fahrräder gemäß lp (2005) für 2€ Pfand? Geschichte! Sie wurden gestohlen, zerstört und ramponiert. Auch die Tage des Ausleihens für 10 Euro/Tag sind vorbei, jetzt etwa 25 Euro. Aber das macht nichts, zu Fuss ist die Stadt auch leicht zu erkunden. Helsinki bei Nacht
Hostel Stadium, sichtbar am Aussichtsturm des Statiums mit 72 Metern Höhe (eines der Wahrzeichen). Fahrt zur Insel ... Drei Mädels beim Frühstück - und was ist wichtig? Kirchen! (wie schon März 1997 bei der Besichtigung Prags mit Romy Schneider und Annett.) Immerhin hat Helsinki 4 davon. Weitere Beobachtung: Was machen Backpacker? Noch 1998 und 2000 habe ich sie beim intensiven Geschichtenaustausch beobachtet, jetzt sitzt jeder vor seinem Computer. Macbook Air.
Also bin ich den Tag durch Helsinki gelaufen und habe viele Bilder gemacht:
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Doch nach nunmehr einer Woche und 634 Bildern ist der Akku der Kamera einfach alle! Somit musste ich zurück zum Hostel, Aufladekabel suchen, eine Stunde aufladen (und Berichte sammeln und lp für Finnland lesen) und dann zurück in die Stadt. Mit der Fähre ging es hinüber nach Suomenlinna:

Fähre um 10:35 Uhr (Eckerö Line - nach dem westlichen Verwaltungsbezirk auf Åland), Ankunft 13:30 Uhr in Tallinn, Stadtrundfahrt, Parkplatz in Zentrumnähe (1km), freies WLAN.
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Dann habe ich das höchste Gebäude der Welt besichtigt. Ich war natürlich auch darin. Seht ihr es? Es ist/war höher als der Kölner Dom! Dumm nur, dass es 1616 abgebrannt ist, sonst hätte es weitere 200 Jahre den Titel "Höchstes Gebäude der Welt" behalten.
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17:30 weg, Nebenstraßen desolat wie Russland, Trolleybus wieder einmal, Übernachtung auf Waldweg, aber 22:00 12°C -> 7:00 0.5°C (trotz drei Decken).
8:00 Aufstehen! 9:00 Riga, Beleidigung der Augen und des Geschmacks: Grau in Grau, trotz größter Stadt des Baltikums, verwitterte Bordsteinkanten, neue (Skoda) und alte (Tatra) Straßenbahnen, McDonalds hat auch kostenlose CocaCola-Gläser. Altstadt 10:00 - 12:30
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Fahrt durch Lettland/Littauen, russischer Radiosender aus RIGA (Wieso nur mag ich ihre Art nicht?) Immerhin erfahre ich, dass es keine Blitzerkästen gibt - 14 sollen kommen. In Littauen gibt es aber schon einige Blitzerkästen.
Nachdem ich den russsischen Sender aus Riga nicht mehr empfangen konnte, stellte ich auf regionale Sender um. Erst war es interessant, BBC zu lauschen, dann wechselte ich auf European HitRadio. Bei der Einfahrt nach Vilnius liefen auch hier im Baltikum die üblichen Verdächtigen Westeuropas: Sunset Avenue - Hollywood Hills, Dj Antoine vs Timati feat. Kalenna - Welcome to St. Tropez und David Guetta - Without you. Von 16:00 bis 20:00 Uhr habe ich also den Altstadtkern und das ehemalige jüdische Ghetto erkundet:
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Allerdings gibt es einige "Kuriositäten", die Vilnius von anderen Städten unterscheidet. Hier einmal drei zur Auswahl: 1) Für Fußgängerampeln gibt es auch ein GELBES Licht, das kannte ich vorher noch nicht. 2) Die Busfahrpläne hat jemand mal rund gemacht (kamen die Busse öfter zu spät?) und 3) auch längst verkaufte, abgewickelte und Konkurs gegangene Firmen machen noch Werbung in Vilnius:
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Zu Abend esse ich am Bahnhof im Restaurant zur Goldenen Möwe. Auf einem Flachbildfernseher läuft MTV mit "The Hills". Ich hoffe, dass die jungen Leute nicht annehmen, das Leben in Californien würde so aussehen wie in dieser Serie - weder was die Beschäftigung noch die Optik der Protagonisten betrifft. Sonst wäre die Westcoast wirklich fast das Land der Träume (von den ganzen "Ex-Boyfriend" mal abgesehen). Und noch eine Sache ist mir beim Schlendern durch die Stadt aufgefallen: Sehr viele Autos haben das Kennzeichen "EOF" - ein Zeichen der Digitalen Wende?
Nach einem kleinen Nickerchen im Wald fahre ich durch den Nordosten Polens in Richtung Heimat. Der Weg durch die russische Enklave um Königsberg wäre zwar kürzer - aber man bräuchte auch ein Visum für einen Batzen Geld. Den erhält Russland nicht, bei km3548 bin ich um 11:00 Uhr in Danzig. Die Altstadt jener geschichtsträchtigen Stadt wurde liebevoll restauriert:
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Natürlich muss man auch das Krantor aus dem Jahre 1442 erwähnen. Er hatte eine Tragfähigkeit von 2000kg. Gut, eine Schraube in Bleistiftstärke aus dem Baumarkt für einen Euro hat auch diese Tragkraft, aber damals war der Stahl noch gar nicht erfunden. Insofern war es schon eine Leistung der Ingenieurskunst, die den Schiffsverkehr und Handel erleichtert hat:
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Auf der Fahrt durch Polen beobachte ich wiedereinmal das vor Jahren von Slawek und mir so getaufte "polnische Überholen". Man kann sich auf dem Bild unten eine Vorstellung davon machen:
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Zu guter Letzt: Neben den Bahnstrecken findet man tatsächlich noch Freileitungsmasten für Telefone mit Keramikisolatoren und einzelnen Blankdrähten. Ein Beispielbild hat auch die Wikipedia. Finkenkrug hatte jene noch im Jahre 1995 (ich durfte sie damals mit entstören), doch spätestens ab 1997 waren sie aus dem Stadtbild komplett verschwunden. Hier in Polen läuft 2011 vielleicht sogar DSL drüber! Jedenfalls bin ich 20:00 Uhr in Falkensee.
Es hat sich einiges getan in Falkensee:
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Nachdem ich Mittwoch endlich wieder einmal in der alten Heimat war - nach dem 23. Februar, als ich abreiste - führte mich Donnerstag die Reise in meine neue Heimat nach Hofkoh. Das Wohnzimmer ist noch immer nicht fertig renoviert, die Physikarbeiten möchten noch korrigiert werden, für Freitag und Samstag ist eine Seltersfahrt geplant, aber man hat ja sonst nix zu tun. Wo ist die Erholung hin?
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