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Die relative Anzahl an Abiturienten steigt in den vergangenen Jahren immer weiter an. Eine oft zitierte Begründung ist, damit eine bessere Ausbildung zu erhalten. Für mich war das Abitur aus zwei anderen Gründen interessant: Man hat (1) die Möglichkeit, an einer Universität zu studieren und (2) eine umfassendere Allgemeinbildung. Letzteres kann man sicherlich auch in Eigenregie erwerben. Wer hingegen die Situation kennt, vom Arbeitgeber stark eingespannt zu sein, wird verstehen, wie schwierig dies ist. Zwar gibt es viele interessante Dinge, aber man hat einfach nicht die Zeit dazu. Zeitunglesen hilft diesem Umstand zumindest etwas ab.
Bleibt noch Punkt (1): Man kann an einer Universität studieren, sich also dem gesunden Druck aussetzen, seine Geist beweglich zu halten und Lernen zur Hauptbeschäftigung machen. Zumindest erhält man einen kleinen Ausblick darauf, was man alles noch lernen und wissen könnte, wenn man nur ewig Zeit hätte. Ich bin leider nur 10 Jahre zur Schule gegangen und wäre gern ein Student. Wie also komme ich an ein Abitur oder an eine Hochschule? Es gibt die folgenden Wege:
Das dauert 2 Jahre für ein Fachabitur und 3 Jahre für ein allgemeines Abitur (mancherorts 3,5 Jahre). Wochentags bedeutet das jeden Abend einen zusätzlichen Zeiteinsatz von 4 Stunden, am Wochenende muß man mitunter noch Hausaufgaben machen.
Ich hätte mich zwar auch darüber gefreut, all diese Dinge zu lernen. Allein um der Bereicherung des Allgemeinwissens willen. Doch das Opfer der Zeit konnte ich nicht bringen. Daher habe ich einen anderen Weg gesucht.
In einer Ganztagsschule kann man das Fachabitur nach einer Ausbildung auch innerhalb eines Jahres machen. Doch wovon lebt man das eine Jahr? Auch dazu hatte ich die Zeit nicht.
Das Mindestalter beträgt 25 Jahre. Wie jeder Abiturient muß man in 8 Fächern die Prüfung ablegen - und sich natürlich vorher vorbereitet haben. Die Prüfung kann jährlich an fast jedem Gymnasium abgelegt werden. Zu Beginn meines Zivildienstes war dies die Lösung der Wahl, denn das Gymnasium meiner Heimatstadt war mir nicht nur wohlbekannt, sondern während des Zivildienstes jeder zweite Tag frei. Doch wegen der Ausmusterung kam es zu einer anderen Lösung.
Nach insgesamt 8 Jahren Arbeitstätigkeit (3 Jahre Ausbildung, 5 Jahre Berufserfahrung) kann man eine sogenannte "Begabtenprüfung" ablegen und erhält ein Abitur. Geprüft werden 5 Fächer. Der Haken an der Sache: Die Prüfer muß man sich selbst suche, das kann bis zu 2 Jahre dauern. Diese sind meistens von der Fachhochschule, an der man später studieren wird. Eventuell kann man diese Prüfung gar nicht ablegen.
Man ist ja immer bestrebt, den Aufwand so gering wie möglich zu halten. In Berlin gilt ein besonderes Gesetz (länderspezifisch) nach dem man ohne jede Prüfung an einer Hochschule studieren kann. Ebenso ist keine Vorbereitungszeit notwendig. Hier zunächst der genaue Text:
§ 11 Fachgebundene Studienberechtigung |
Eine Liste weiterer Informationen im Internet:
Endlich mal eine Lösung, die einem gefallen kann. Man benötigt nur eine abgeschlossene Ausbildung und 4 Jahre Berufserfahrung. Dann kann man studieren, was man will. Gilt auch für Fächer mit einem numerus clausus (NC). Eine Ausnahme bilden Fächer mit einem bundesweiten NC wie beispielsweise Medizin. Diese Studienplätze werden über die Zentrale Vergabestelle Studienplätze (ZVS) vergeben. Dennoch gibt es ein paar weitere Einschränkungen:
Zum einen muß man sich bewerben und der zuständigen Prüfungskommision des Studienfaches verständlich machen, warum man dieses Fach studieren möchte. Doch das sollte in einer schriftlichen Bewerbung nicht so schwer sein. Dann wird man 2 Semester fachgebunden immatrikuliert und erhält einige Auflagen (z.B. 2 grundlegende Scheine zu machen). Nach 2 Semestern wird entschieden (wiederum vom Prüfungsausschuss), ob man weitere 2 Semester probeweise immatrikuliert wird oder fachgebunden unbefristet.
Es ist mit dieser Methode nicht möglich, das Fachgebiet zu wechseln. Eigentlich kann man nicht einmal die Universität wechseln. In der Praxis sollte dies allerdings möglich sein, wenn man freundlich mit den verantwortlichen Personen spricht. Hat man das Diplom erfolgreich verteidigt, ist man mit diesem nun berechtigt, jedes andere Studienfach zu belegen.
Und wovon lebt man, nachdem man bisher ein eigenes Einkommen hatte? Man kann versuchen, nebenbei zu jobben - davon ist allerdings abzuraten! In der Realität leidet immer etwas, oftmals ist es das Studium. Viele hatten irgendwann nicht mehr genug Zeit für das Studium und mussten es abbrechen. Die bessere Lösung: BAföG - denn wer neben 3 Jahren Ausbildung bereits 5 Jahre gearbeitet hat, erhält elternunabhängiges BaföG, das heißt den Höchstsatz! Für ein sparsames Leben ist dies ausreichend. Ohne Wohnung liegt der Satz jetzt bei 430,- €, mit Wohngeld etwas oberhalb von 500,- €.
[Habe leider seit 2002 keine Zeit gehabt, diesen Artikel mal fertigzustellen. Immerhin haben Kerstin und Manuela den ersten Absatz gelesen und sich darüber aufgeregt, weil das Wort Abitur 9mal vorkommt. Und ich wohl was gegen Leute mit Abitur habe. Macht ja nix. Einige Abiturienten sind tatsächlich recht arrogant und halten sich für was besseres. Das wird mit dem Studium nicht unbedingt besser. Werde das also noch mal überarbeiten.]
Immer mehr Menschen machen in Deutschland das Abitur. Oft ist eine Ausrede, daß man nur damit einen Ausbildungsplatz erhalten kann. Das stimmt allerdings nicht, wie ich selbst aus Erfahrung berichten kann.
In meinem Ausbildungsjahrgang hatte 25% der Auszubildenden Abitur. Ich habe die Ausbildung verkürzt und mit sehr gut abgeschlossen. Mein erster Bruder (1 Jahr später) gehörte zur Minderheit der Leute ohne Abitur, zwei Drittel der Azubis hatten Abitur. Bei meinem zweiten Bruder war es genau Hälfte/Hälfte. 2001 erzählte mir eine junge Bekannte, daß bei ihr 90% der Auszubildenden ein Abitur hätten. Sie gehörte zu der Minderheit von 10% ohne Abitur. Aber sie hat die Ausbildung bekommen. Ohne Abitur. Und hat die Ausbildung verkürzt und gut abgeschlossen. Und wurde außerdem nach der Ausbildung übernommen und arbeitet noch heute bei diesem Arbeitgeber.
Dabei handelt es sich nicht um Glücksfälle. Die drei angeführten Fälle (mich einmal ausgenommen) hatten mehrere Ausbildungsstellen zur Auswahl, die sie genommen hätten. Letzten Endes mussten sie also einen dieser Ausbildungplätze auswählen und nicht einfach froh sein, irgend etwas gefunden zu haben.
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