Bericht aus Russland: Teil 3 (13. 02. 2004 bzw. April 2004)

Es gab vor einigen Tausenden Jahren Personen, die fast ihr ganzes Leben auf die Erfüllung von Prophezeiungen warten mussten. Ein hervorragendes Beispiel für einen außergewöhnlichen Glauben liefert uns Abraham. Im Alter von 75 Jahren erhielt er die erste Prophezeiung, dass sein Same wie der Sand des Meeres werden sollte. 50 Jahre später, nachdem er seinen Sohn Isaak fast geopfert hätte, erhielt er mindestens zum siebenten Mal diese Prophezeiung, in der es unter anderem hieß, sein Same solle so zahlreich sein wie die Sterne am Himmel. Zwar kann man hier in Moskau fast nie einen Stern sehen (siehe weiter unten), aber im allgemeinen sind mit dem bloßen Auge ca. 3000 Sterne zu unterscheiden. In richtig dunklen Umgebungen sieht man den schwachen Schimmer eines hellen Bandes – unsere Milchstraße. Dort sind es ein paar Milliarden Sterne. Doch zu dem Zeitpunkt, als Abraham diese Worte nun wieder einmal hörte, nach 50 Jahren, war die Anzahl dieses verheißenen Samens nur auf EINS angewachsen – Isaak.

Umso besser ist in dieser Hinsicht unsere heutige Situation. Lange Jahre habe ich mich gefragt, was genau die Worte aus 1. Korinther 7:29 bzw. Markus 13:19,20 bedeuten, in denen davon die Rede ist, dass unsere „Zeit verkürzt“ sei. Vom Standpunkt der Physik würden wir sagen, dass das unmöglich ist. Ein Tag hat immer 24 Stunden. Das lässt sich ziemlich genau messen. Und daran hat sich nicht viel geändert. Dem entgegen steht nur meine eigene Erfahrung. Ich hatte im Januar keinen Unterricht, sollte also jede Menge freie Zeit haben. Ergo habe ich mir einen Tag reserviert, an dem ich diesen Bericht hier schreiben könnte. In der ersten Woche ist leider etwas dazwischengekommen, also wollte ich ihn in der zweiten Januarwoche schreiben. Den Rest könnt ihr euch sicherlich denken. Heute ist Freitag, der 13. Februar 2004. Nicht mal in der ersten Februarwoche hat es geklappt. Obwohl ich einen Zeitplan aufgestellt habe. Diese Erfahrung teilen sehr viele Ausländer mit mir. Es scheint, als habe man hier viel weniger Zeit. Obwohl man hier wegen des Wetters nur sehr wenig unternehmen kann. Soweit mal zur Entschuldigung, es ist in der Zwischenzeit so einiges passiert, ich werde mal etwas chronologisch vorgehen.

Der letzte Bericht stammt vom 14. November 2003, ich konnte ihn allerdings erst am Montag, den 17. November abschicken. Bereits eine Woche später, am 24. November, brach morgens früh das Feuer im Studentenwohnheim der Völkerfreundschaftsuniversität Patres Mulumba aus.

Feuer im Studentenwohnheim

Am Ende der Woche hatte ich dann ein Gespräch mit Fon aus China. Eigentlich wollten wir unser Studium fortsetzen, doch dank neuer Regelungen war nur den Studenten der Zugang zum Studentenwohnheim gestattet. Gäste sind nicht erlaubt. Das passiert hier immer nach einem außergewöhnlichen Ereignis. Dann gelten für ca. einen Monat besondere Sicherheitsvorkehrungen, es ist fast nichts möglich, danach pegelt sich alles wider ein und man nimmt es nicht mehr so genau. Ein wenig ist es auch ein Zeichen der Ohnmacht. Dazu später etwas mehr. Durch Zufall habe ich Fon dann im Eingangsbereich getroffen und wir konnten uns dort etwas unterhalten. Er sollte die Unterlagen der studierenden Chinesen überprüfen, war also recht beschäftigt. Trotzdem hat er sich gefreut, dass ich mir einige Sorgen gemacht hatte. Das Studium haben wir dann eine Woche später in einem nahegelegenen Studentenrestaurant durchgeführt.

Während wir uns im Eingangsbereich des Wohnheimes unterhalten, fängt auch Abil aus Rumänien an, sich am Gespräch zu beteiligen. Er beendet zur Zeit gerade seine Diplomarbeit zu Geschichte. Also habe ich ihm auch gleich Zeugnis gegeben und etwas Literatur. Fon musste derweil seiner neuen Aufgabe für die Administration nachgehen. Als Abil dann auch gehen musste, fragte ein in der Nähe stehender Sicherheitsbeamter, ob ich ein Zeuge Jehovas sei. Als ich dies bejahte, konnte ich auch mit ihm ein Gespräch führen. Sein Name ist Murat, er kommt aus Igutschetia und wollte mir den Islam näher bringen. Also haben wir uns etwas unterhalten und einen Rückbesuch vereinbart. Insgesamt habe ich im Eingangsbereich fast 2 Stunden zugebracht – ohne fremde Hilfe und nur in russisch!

Angesichts des Feuers sollte man sich schon mal fragen, ob so etwas nicht auch in unserem Gebäude passieren könnte. Aber keine Sorge, auf meinen 7 Quadratmetern sind 2 Feuermelder installiert, in unserem 3 Quadratmeter Vorraum ebenfalls zwei. Man kann sich also sicher fühlen – so man an dieser Stelle aufhört zu denken. Denn ein Feuermelder nützt erst etwas, wenn ein Feuer da ist – das würde ich aber gern nach Möglichkeit zu verhindern wissen. Die erste Frage sollte also lauten: Inwieweit sind Maßnahmen getroffen worden, um ein Feuer schon am Entstehen zu hindern. Die ganzen Holzapplikationen liefern einem potentiellen Feuer hervorragenden Nährstoff. Dazu kommt ein Holzparkett auf den Gängen und in den Zimmern. Interessanterweise wurde das an einigen Stellen abgeschliffen, doch nach ca. einer Woche sieht es genauso aus, wie vorher. Das Zimmerklima ist extrem trocken und alle Möbel ebenfalls aus Holz.

Ach ja, noch eine Frage könnte man stellen: Dieses Feuermeldersystem aus dem vergangenen Jahrtausend, arbeitet das überhaupt? Definitiv könnte ich das wohl nur mit einem Feuer beantworten. Eine Indizienantwort liefert allerdings die Völkerfreundschaftsuniversität. Dort war exakt das gleiche System installiert wie bei uns. Und obwohl die Behörden beteuerten, dass es in einwandfreiem Zustand war, hat kein Student einen Feueralarm gehört. Zur Zeit ist man in dieser Universität dabei, in allen Zimmern ein neues System zu installieren. Das beinhaltet 2 unabhängige Melder (Rauch und giftige Gase??) mit einer blinkenden LED. Ich habe zwar das Gefühl, man hat in China für 1 $ einen runden Plastikkasten mit Blink-LED gekauft, die man jetzt an die Decken schraubt (ist ja viel billiger), aber vielleicht irre ich mich auch und es sind tatsächlich hochwertige Brandmelder. Ich jedenfalls achte darauf, ein Feuer zu vermeiden und mir schon vorher Gedanken zu machen, was im Ernstfall zu tun ist.

Leben in Moskau

Bemerken sollte man vielleicht, dass allein das Betreten des Badezimmers gefährlich ist.
ernährung trotz kochbuch in stolowaja
respekt beim anstehen in der stolowaja, daher auch eigene probleme
Casino Glücksspiel
Korruption – Lizensen kaufen
Business 70 % Steuern, 100% Gewinn ist fast wenig, 300 bis 500 normal – daher extreme Situation

park pobedui – des sieges, zeichen etc.
öffentlicher vortrag warum eingeengt der weg? weil sonst diebe im paradies
erfahrung slawa und micha
Aleksander aus Tschiboksar getroffen, Kongress in Nischni abgesagt, einen Monat später etc., Registration, ein paar $ verdienen hack home
Moskau zwar 100 Jahre zurück aber GPRS kostenlos für internet
auf hinweg man in ubahn angesprochen wegen daniel 2:44
Sphera – hinaus
Rolltreppe Dorfbewohner rückwärts
Aleksander aus Usinks für Lukoil, dort kalt, doch in Moskau erkältet

Dienstwoche 2. - 7. 12. 2003

2. bis 7. Dezember Dienstwoche
weg bauen, woanders gehen
MEGA tabu
6. Dezember erstes Mal von Haus zu Haus

Tagessonderkongress in St. Petersburg 12. bis 14. 12. 2003

12. Bethel
Sprachverwirrung
Übersetzung direkt aus dem englischen
4h Sonnenschein – depression
Neal und Mike aus Nischni 1:1000000
13. Grippe
platzkartnaja
14. russischer traum

Versammlungsangelegenheiten in Moskau

Kreiskongress 20. & 21. Dezember mangelnder Versammlungsbesuch Beispiel Bilder von anderen Männern – um dich mehr lieben zu können 28.12. öffentlicher Vortrag ein Bruder nicht gefiel russische Übersetzung – direkter Vergleich englisch, russisch, deutsch

Ein neues Jahr: 2004

Pünktlich mit Beginn des neuen Jahres erhalte ich keine deutschen Zeitschriften mehr. Insgesamt erhalten wir keine ausländische Literatur seit Januar 2004. Es ist bereits Mitte März, und es hat sich nichts daran geändert. Das trifft auch auf den Königreichsdienst zu. Vielleicht kommt ja irgendwann ein großer LKW mit den gesammelten Werken 2004 an. Für mich bedeutet das seither: Alle Vorbereitung ausschließlich auf russisch! Das hat in gewisser Hinsicht sicherlich Vorteile, eine Art gesunder Druck.

4.1. erstes mal im bolschoi theater
5.1. abends empfehlung angekommen
6.1. nix mit hiroo
7.1. hiroo weg, aber mit rene unterhalten
8.1. ältester angesagt
Aufgaben: Dienstaufseher, Telefongebiet
beth-An tony jill Mongolei China Literaturfahrer aus UK
sprachen lernen, eine zweite nur 10% mehr Zeit

was mache ich eigentlich hier in moskau – stipendium erhalten schneechaos, mit LKW weggefahren, eiskalt und eis, aber noch nicht hingesetzt, wasser –11 –20 gefühlt aber auch schallschluckend, abends auf dem Weg erfahrung mit sascha Frau auf dem weg mit Bibel in Tasche treffpunkt kuscheltier, aber auch kürze des Textes z.B. Jahrestext, chaos=haus, bethel=wieviel 1.2. Wnukowa wald schaschlik wie falkensee auf dem brieselanger Alpinski möglcih, langlauf, schwimmen 5.2. Bibellesehöhepunkte schwester wohnt auf 15 qm und verdient 100 $ 6.2. terroranschlag auf ubahn, wie mitbekommen etc. Ohnmacht: Bibel ohnmächtig vor furcht, eiserne Türen u-bahn automaten für bilet, stecken bleiben, geschwindigkeit letzte Woche Transwaal Park – so wie Blub – Decke eingestürtzt weil draußen minus 20 und drinnen 30 Grad – Konstruktionsfehler, 24 Tote 11.2. brahmskonzert und Edward Grieg mit internationaler Gruppe danach metrofahrt, belauscht - englischlehrer kann sein 16.2. Halbzeit, Nasenbluten, Picosekundenlaser, Absprache Professor, Buchstudium, abends 38 untätige in Versammlung

Stand der Dinge in Moskau

Leute liebten das System und glaubten daran
Hartmut aus Afrika – bis heute keine deutschen Zeitschriften, Ende Februar auch noch keinen Erwachet vom 22.2.2004
Plastiktüten wie bei uns im Osten – auch im Dienst, weil ist ja Russland
Armut – Frauen verkaufen Schund am Metroeingang, gleichzeitig Lautsprecherdurchsage (neben dem nervigen „Bitte vergessen sie nicht ihre Sachen – das wird ewig wiederholt, so doof ist doch letzten Endes keiner“) nicht diese billigen Sachen zu kaufen – aber was soll man machen??
Florent aus Burundi wurde innerhalb eines halben Jahres 20mal kontrolliert – ich nicht ein einziges mal!! Gelbe „Frag mich Jacke“

März 2004

Ich hatte je bereits in der Einleitung angesprochen, dass man im allgemeinen keine Sterne in Moskau sieht. Ab und zu gibt es jedoch auch sehr kalte Nächte, an denen einige Sterne sichtbar sind. Im ersten Studienartikel des Wachtturms vom 15. Januar wurde erwähnt, dass man nur 3 Galaxien mit dem bloßen Auge erkennen kann. Prompt hatte ich eine Hausaufgabe: „Um welche 3 Galaxien handelt es sich?“ Und die Lösung war nicht ganz einfach. Ich habe 2 spezielle Sternprogramme, ich kann auch die Helligkeit verstellen, um dunkle Objekte auszublenden, aber der Himmel ist voll mit allerlei sonderbaren Objekten. Uns erscheinen sie wie Punkte, doch von Planeten über Sternhaufen, Cluster mit und ohne Nebel, open cluster, NGC *** und LMC bis hin zu Multiplen Sternen ist dort alles vertreten. Und natürlich Galaxien. Aber wer weiß schon, dass M31 der Andromedanebel ist und NGC 292 (soll eine Spiralgalaxie sein, hellste Galaxie mit einer Magnitude von 2.80) im anderen Programm SMC genannt wird. Wobei SMC die englische Abkürzung für Kleine Magellan’sche Wolke ist. Ein einfacher Blick in die Encarta unter „Galaxien“ liefert übrigens gleich in der Einleitung die Antwort, um welche 3 Galaxien es sich handelt. Macht nix, in den Stunden des Suchens habe ich viel dazugelernt. Die Sternhelligkeit wird in inversen logarithmischen Einheiten angegeben. Weniger ist also mehr (oder heller). Der Polarstern hat nur 2.02, der Mond ganze –11.93 und die Sonne immerhin –26.80 Helligkeit. Die Nacht des 14. März 2004 war fast sternenklar und durch Zufall war ich an einem etwas dunkleren Ort Moskaus – die Straßen- und Gebäudebeleuchtung hat also nicht alles überstrahlt. So konnte ich den Polarstern ausmachen, ebenso den großen Wagen und Casiopeia. Und ich konnte mit bloßem Auge CAS Epsilon mag = 3.38 sowie UMa Delta mag = 3.31 ausmachen. Der Andromedanebel hat 4.20 – damit wohl problemlos an anderen Orten denn Moskau sichtbar. Die nächsthelle Galaxie ist mit mag = 8.00 die NGC 253 und daher tatsächlich für das bloße Auge unsichtbar. Man kann also auch in Moskau über die Sterne und die Weite des Universums nachdenken. Und Demut ist ja eine der wichtigsten Eigenschaften, die wir entwickeln sollten. Auch wenn es immer wieder unserer Natur zuwiderläuft und der gesellschaftliche Druck eher den Stolz unterstützt. Mir macht das Nachsinnen über die Sterne immer wieder bewusst, wie klein und unbedeutend ich bin und hilft mir darüber hinaus, meine Grenzen zu erkennen. Auch bei uns wird empfohlen, im März (und April und Mai) möglichst im Hilfspionierdienst zu stehen. So habe ich denn auch meine Bewerbung abgegeben. Ach ja, ich diene jetzt ja auch als Dienstaufseher in der Versammlung Yugo-Sapadnaja. Zu den Aufgaben des Dienstaufsehers gehört ebenfalls, jeden Monat ein anderes Buchstudium zu besuchen. Ich wollte auch irgendwann damit anfangen, doch die Brüder ließen mir keine Zeit. Schon einen Monat nachdem ich die Aufgabe übernommen hatte, durfte ich die erste Besuchswoche durchführen. Ich kann dazu vielleicht anmerken, dass es auch für mich das erste mal war. Also habe ich wieder einige Stunden mit der Vorbereitung zugebracht. Im Normalfall wird das Buchstudium in dieser Woche verkürzt durchgeführt, es werden in 45 Minuten nur die Fragen besprochen und danach hat der Dienstaufseher 15 Minuten für seine Dienstansprache. Jonathan ist allerdings durch das Kapitel geflogen und war nach 30 Minuten fertig. Macht nix, ich habe trotzdem überzogen. Immerhin waren die Verkündiger sehr dankbar und haben sich nicht nur eine Woche, sondern die folgenden 2 Wochen eifrig mit mir im Predigtdienst verabredet. So durfte ich meine Vorschläge dann auch selbst umsetzen – und sie haben funktioniert! Dabei ist mir ein Problem deutlich geworden, das ich bisher unterschätzt hatte bzw. fast übersehen. Ich wusste schon, dass die meisten Verkündiger noch nicht so lange getauft sind (90% vor weniger als 10 Jahren), hatte aber einige damit verbundene Probleme noch nicht richtig einschätzen können. Nach 1990 war es sehr einfach, ein Heimbibelstudium zu beginnen, viele haben mehrere Studien durchgeführt. Jetzt heißt es, von Tür zu Tür zu gehen, und ein Gespräch zu beginnen. Dabei ist die Einstellung der Leute – durch das Großstadtmileau und den steigenden Wohlstand geprägt – fast dieselbe wie in Berlin. Niemand hat Zeit und die demotivierende Gleichgültigkeit greift um sich. Ebenso ist es für manchen Dienstamtgehilfen nicht klar, warum wir nach einem Jahr wieder bei jemandem vorsprechen, der doch gar kein Interesse hat. Immerhin kann ich ja aus eigener Erfahrung berichten, dass sich die Leute ändern und zuhören, wenn ich meine Einstellung ändere. Und so habe auch ich mehr Freude im Dienst. Jetzt gilt es, dies den russischen Verhältnissen anzupassen und entsprechend verständlich zu machen. Da jedoch die Lernbereitschaft groß ist und auch schon einige Erfahrung besitzen, ist es keine unlösbare Aufgabe, im Gegenteil, es macht Spaß, den Fortschritt zu beobachten. Und letzten Endes sind auch unsere Schwestern und Brüder Menschen wie du und ich. Einmal war ich mit einer Schwester im Dienst, die sehr auf ihr akkurates Äußeres bedacht ist. Da muss jedes Detail stimmen. Entsprechend passt zu ihrem Kostüm nur eine spezielle Sorte Handtaschen. Die sind allerdings extrem unpraktisch, es passt kaum etwas hinein, Zeitschriften werden geknickt, für eine Bibel ist kein Platz. Also trägt man diese Sachen noch in einer passenden Plastiktüte mit sich herum. Interessanterweise war sich die Schwester ihres selbstauferlegten Zwanges durchaus bewusst. Bei einer Gelegenheit passten die Mitschriften wieder nicht richtig in die Tasche, sie erklärte, warum diese Handtasche dennoch passend und notwendig sei und meinte abschließend: „Na ja, trotz alledem, ich liebe Jehova von ganzem Herzen“. Sie nimmt die Sache also mit viel Humor. Tja, und als ob es sonst im März weiter nichts zu tun gäbe – ich arbeite jetzt ja im Labor der Halbleiterphysik mit und soll dort vieles über Quantumwells, -wires und -dots erfahren – steht gleich noch eine Gebietsreform an. Denn der Dienstaufseher ist natürlich auch für die Gebiete verantwortlich. In eurer Versammlung gibt es sicherlich einen Gebietsdiener, fragt ihn doch einfach mal, ob das viel Arbeit ist oder nicht. Vor 5 Jahren wurden hier in Moskau eine große Versammlung in 3 neue Versammlungen geteilt, damals wurde eine Liste der Gebiete erstellt (ohne die bei uns üblicherweise verwendeten Karten) und seitdem nicht weiter überarbeitet. Und das in einer Stadt, wo Wohnblocks nur so aus dem Boden schießen. Ein Bruder hat die Liste mit den 827 Gebieten auf dem Computer in Excel erstellt, auf dem Computer einer Pionierschwester installiert und fortan war sie die Gebietsdienerin. Sie hat die Aufgabe auch gut durchgeführt, aber so sollte das ja nun doch nicht sein. Also wurde diese Computerliste vor 3 Jahren ausgedruckt, in einen Hefter verfrachtet und fristet dort seither ein trostloses Dasein. Niemand ist wirklich verantwortlich für die Gebiete, weder die Ausgabe noch die Überprüfung, ob es denn schon durchgearbeitet wurde noch irgendwas. Der Hefter steht in der Versammlung und wer immer will, schreibt halt ein, dass er ein Gebiet genommen hat. Im Excelfile wurde noch farblich markiert, ob das Gebiet überfällig war, welche Gebiete verfügbar sind etc. Auf der s/w-Hardcopy ist all das nicht mehr sichtbar. Eine Überarbeitung war also mehr als überfällig. Und ein wenig mehr Organisation nötig. Der Kreisaufseher merkte auch gleich an, dass die von uns verwendeten Formulare nicht die der Gesellschaft seien. Und die Brüder haben sich schon ein paar Gedanken bei den Dokumenten und Formularen gemacht, es macht also Sinn, diese zu nutzen. Ergo müssen die 17 Straßen unseres Gebietes noch einmal komplett überprüft werden. Zum Glück gibt es im Internet einige Stadtpläne mit (angeblich) allen Häusern, auf Grundlage dieser Daten habe ich die vorhandene Liste in langen Nächten überarbeitet. Jetzt sind es 1077 Gebiete, Aleksej hat schon beim ersten Hinschauen ein fehlendes Haus entdeckt (das noch nicht im Internet steht) und schon hatten wir 4 weitere Gebiete. In der nächsten Woche werden wir wohl alle Daten und Häuser überprüfen und aus dem einen Haus halt 4 Gebiete machen und aus dem anderen Haus gar kein Gebiet, weil es ein Supermarkt ist. Bei einer Straße wurden alle geraden Häuser vergessen, die ganze linke Seite hat also noch niemand bearbeitet. Und dann gibt es noch ein Gebiet zwischen der Straßengrenze unseres Gebietes und der Eisenbahnlinie mit vielleicht 20000 Einwohnern, das zu keiner Versammlung gehört. Noch hat das Bethel nicht geantwortet, ob es unser Gebiet werden soll. Wenn die Liste mit den Gebieten dann fertig ist, werden wir einige Tage den Laserdrucker mit den Gebietskarten füttern, um die neuen 1000 Gebietskarten zu erstellen. Die ersten 53 sind bereits fertig. Für Kultur ist mir bisher wenig Zeit geblieben. Jetzt habe ich es aber doch mal zum Bolschoitheater geschafft und ein paar Karten selbst ergattert. Also bin ich auch noch gleich drei mal im März im Bolschoitheater. Und der Einfachheit halber startet die nächste Buchstudienbesuchswoche noch im März – pünktlich kurz vor dem Gedächtnismahl. Nächste Woche habe ich die örtlichen Bedürfnisse in der Dienstzusammenkunft, ich werde über das Programm „Pionier helfen anderen“ sprechen. Bei 14 Pionieren und 22 Hilfspionieren bestimmt ganz lohnenswert. Bisher wurde das mehr nach einem Zuteilungssystem gehandhabt, viele kennen das Programm weder noch verstehen sie richtig, worum es geht. Das Programm ist ja auch Aufgabe des Dienstaufsehers. In jedem Fall hilft es immens, die Brüder und Schwestern gut kennen zu lernen. Und die Bedürfnisse der Versammlung. Und außerdem ist es ein gutes Gefühl, gebraucht zu werden und helfen zu können. Mir macht die Zusammenarbeit jedenfalls viel Spaß.

weiteres nach Mitte Februar 2004

Die Verhältnisse ändern sich sehr schnell in Moskau. Noch am 25. 3. 2004 habe ich in der Versammlung über das Programm „Pioniere helfen anderen“ in der Dienstzusammenkunft gesprochen. Schon am nächsten Tag wurde die Organisation der Zeugen Jehovas in Moskau verboten. Am 26. 3. 2004 wurde diese Entscheidung gefällt und wäre nach 10 Tagen in Kraft getreten. Wir haben allerdings Berufung eingelegt und so wurde die Umsetzung bis zur Entscheidung der nächsthöheren Instanz ausgesetzt.

Ohne Probleme konnten wir das Gedächtnismahl feiern, zusammen mit der Versammlung „Solnichnoje“ waren 424 Personen anwesend. Ich hatte das Vorrecht, das Gebet für den Wein zu sprechen – und war verständlicherweise sehr aufgeregt. Eine Woche habe ich dann Besuch aus Deutschland erhalten - meine Mutter und meine Schwester habe mich für 2 Wochen besucht. Inklusive eines Ausfluges nach St. Petersburg haben wir bis auf das Bethel fast alle wichtigen Sehenswürdigkeiten in Moskau und St. Petersburg besichtigt.

Im Mai habe ich dann meine dritte Besuchswoche in einem Buchstudium durchgeführt und bin mit den Brüdern und Schwestern im Dienst gewesen. Doch schon stand der nächste Besuch des Kreisaufsehers an, auch das sollte vorbereitet werden. Zum ersten Mal gab es ein Programm mit allen Treffpunkten und Vorträgen, die Versammlung war sehr dankbar dafür.

Mit schon besseren russischen Grüßen

Matthias