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Mein eigentliches Interesse an Ägypten und seiner Geschichte liegt in zwei Hauptpunkten begründet. Zum einen interessiert mich die Zeitrechnung und das Datieren ihrer Dynastien. Der andere Punkt betrifft ihre angebliche Hochkultur und ihren wissenschaftlichen Erkenntnisse. Waren sie uns tatsächlich in einigen Punkten weit voraus oder zumindest auf unserem Wissensstand? Oder wird uns im allgemeinen ein verzerrtes Bild ihres Alltags vermittelt?
Wenn man in aktuellen Nachschlagewerken nach Zeitangaben für die ägyptischen Dynastien sucht, so finden sich Daten bis weit ins dritte Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung. So wird der Beginn der ersten Dynastie auf 2950 v.u.Z. datiert und die vierte Dynastie, in der die Pyramiden von Snefru, Cheops und Mycerius gebaut wurden, auf die Zeit von 2573 bis 2454 v.z.Z. Da die Jahreszahlen auf das Jahr genau angegeben werden, scheinen sie ja sehr genau bestimmt worden zu sein. Allerdings ergibt sich aus der biblischen Chronologie, dass die Sinflut 2370 v.u.Z. stattgefunden hat. Welche Datierung ist nun richtig?
Der zweite Punkt hat indirekt auch mit den Pyramiden zu tun. Eigentlich sind sie ja ein Sinnbild der Sinnlosigkeit - gepaart mit enormen Arbeitsaufwand. Erfüllen sie doch heute (wie die vergangenen Jahrtausende) keinerlei Funktion. Aber mit großen Bauleistungen konnte man Menschen schon immer beeindrucken. Nun gibt uns die Bauweise Rätsel auf. Wie konnten die Agypter das damals schaffen? Wie gut kannten sie sich in der Medizin aus? Haben sie Operationen am Gehirn vorgenommen, oder waren ihre medizinischen Kenntnisse eher Bauernweisheiten? Die Kreisläufe im Körper versuchten sie schließlich allesamt mit Schleim zu erklären. Auch spielten wohl Spiritismus und Okkultes sowie Zauberei und Magie eine große Rolle.
Überraschend für mich war die Erkenntnis, dass die Aussagen über die Dynastien auf einen gewissen Manetho zurückgehen, einen ägyptischen Priester des 3. Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung. Er hatte sich an die Arbeit gemacht, einen Geschichtsbericht über Ägypten aufzustellen. Dazu berichtet er über gewisse Dynastien (31 an der Zahl, manchmal auch nur 27), die auf den ersten Anschein nacheinander folgend waren.
Die Schriften Manetos selbst sind uns nicht überliefert. Sie wurden jedoch von einigen anderen Geschichtsschreibern zitiert. Auf ihren Aussagen aufbauend wurden die Dynastien rekonstruiert:
Die beiden letztgenannten Autoren dienten wiederum als Vorlage für die Weltgeschichte von Georg dem Mönch (Syncellus, 8./9. Jahrhundert). Fachleute auf dem Gebiet der Ägyptologie haben festgestellt, dass jene Männer leider nicht größten Wert auf absolute Richtigkeit ihrer Zitate legten und dass auch Manetho in seiner Geschichtsschreibung nicht absolut wahrheitsgetreu vorging.
Weitere Dokumente aus der damaligen Zeit sind einige Geschäftsbriefe aus El Amarna, die etwas Einblick in die damalige Geschäftswelt bringen. Außerdem gibt es noch den Palermo-Stein und das Turiner Papyrus. Insgesamt gibt es vier Königliche Analentafeln. Um die Hieroglyphen zu übersetzen war sicherlich der Rosetta Stein aus dem Jahre 196 v.u.Z. hilfreich, der 1799 gefunden wurde (jetzt im British Museum in London).
Mit diesen Fragen haben sich schon viele Menschen auseinandergesetzt. Nur gab es im Jahr 2000, als ich diese Seite begonnen habe, noch nichts verwendbares im Internet. Daher habe ich - auch als kleine Studie für mich selbst - diese Seite geschrieben. 2001 wurde dann das deutsche Projekt der Wikipedia gestartet, damit war eine gute Plattform für den Wissensaustausch gegeben. Mitlerweile ist dort ein Artikel zu ebendiesem Thema entstanden, der weit umfangreicher ist, als ich es jemals allein erreichen könnte:
Ägyptische Chronologie in der Wikipedia
Noch erwähnen möchte ich, dass allein der Beginn der ersten Dynastie - der von Mene - von Gelehrten überaus unterschiedlich im Strom der Zeit eingeordnet wird. Champollion bezeichnet hier das Jahr 5867 v. u. Z., Mariette 5004, Lauth 4157 und Lepsius 3892. Des weiteren geben Beasted 3400 v. u. Z. an, Meyer 3180, Wilkinson 2320 und Palmer 2224 v. u. Z als Beginn der Herrschaft Menes an. Dazu gesellt sich noch das allgemein angenommene Beginndatum um 2900 vor unserer Zeitrechnung. In der Wikipedia werden Beckeraths Zeitangaben (Jürgen von Beckerath: MÄS 46 (Münchner Ägyptologische Studien, Band 46, 1997)) verwendet.
| Zeitabschnitt | Datierung 1965 | Datierung 1997 | |
| Vordynastische Zeit | 3000 - 2850 v. u. Z. | 4.Jahrtausend - 2920 v.u.Z. | |
| Thinitenzeit: | 2850 - 2200 v.u.Z. | 2950 - 2650 v.u.Z. | 1. - 2. Dynastie |
| Altes Reich: | 2650 - 2150 v.u.Z. | 3. - 6. Dynastie | |
| Erste Zwischenzeit: | 2200 - 1786 v.u.Z. | 2150 - 2050 v.u.Z. | 7. - 11. Dynastie |
| Mittleres Reich: | 2050 - 1786 v.u.Z. | 11. - 12. Dynastie | |
| Zweite Zwischenzeit: | 1786 - 1085 v.u.Z. | 1786 - 1560 v.u.Z. | 13. - 17. Dynastie |
| Neues Reich: | 1560 - 1070 v.u.Z. | 18. - 20. Dynastie | |
| Dritte Zwischenzeit: | 1085 - 332 v.u.Z. | 1070 - 712 | 21. - 24. Dynastie |
| Spätzeit: | 712 - 332 v.u.Z. | 25. - 31. Dynastie |
Zum Vergleich habe ich obige Tabelle eingefügt, sie enthält die Zeitangaben von 1965 und die neueren Daten von 1997.
Auch die Ägypter waren bemüht, zumindestens in einem gewissen Rahmen zu wissen, wo im Strom der Zeit sie sich befinden. Dazu beobachteten sie die Sterne sehr genau. Zur Zeitrechnung nutzten sie daher unter anderem die Sothisperiode. Das ist der Zeitraum, in dem die Sirius sichtbar bzw. nicht sichtbar ist. Allerdings muß man hier sehr genaue Beobachtungen anstellen. Ein Fernglas oder Teleskop kannten die Ägypter nicht. Sich hier um einen Tag zu irren, führt uns in unserer Zeitrechnung gleich um 120 Jahre am Ziel vorbei.
In vielen ägyptischen Quellen wird Bezug auf den Stern Sirius genommen, da dieser den Beginn der Nilschwemme ankündigt. Obwohl die alten Ägypter das Jahr in 365 Tage einteilten, kannten sie nicht den Schalttag zur Korrektur des Vierteltages, der jedes Jahr hinzukommt. So driftete der Siriusaufgang mit dem ägyptischen Kalender auseinander. Alle 1460 Jahre stimmten beide Ereignisse allerdings wieder überein (Sothis-Zyklus). Der Frühaufgang des Sirius stimmte nach Censorius im Jahr 139 n. Chr. tatsächlich mit dem ägyptischen Neujahrstag überein, so dass hier ein absolutes Datum gesetzt werden kann. Wird von diesem Zeitpunkt aus zurückgerechnet, ergeben sich als weitere Übereinstimmungen die Jahre 1317 v. Chr. und 2773 v. Chr.
Aus der 12. Dynastie im siebten Jahr der Regierung des Sesostris III. wird ein entsprechendes Ereignis auf einem Papyrus aus Lahun überliefert. Es lässt sich auf das Jahr 1872 v. Chr. festlegen.
Eine weiterer Versuch astronomischer Altersbestimmung wurde von Kate Spence unternommen [5]. Nach der von ihr vorgeschlagenen Methode würde der Bau der Cheops-Pyramide auf 2467 v. Chr. (± 5 Jahre) fallen, statt wie nach gängiger Chronologie auf 2580 v. Chr. (nach Schneider). Die Diskussion dieser Methode steht noch aus.
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